Immer wieder erzählen Kinder, oder auch die Eltern der Kinder oder Lehrer*innen, dass es in der Schule zu Schwierigkeiten kommt. Ob Beleidigungen, physische Angriffe oder das wegnehmen von Sachen. Die Eltern sind verunsichert und die Kinder wissen mit den Angriffen nicht umzugehen.
Bei vielen Kindern, die von Mobbing betroffen sind, ist klar, dass es ein Problem im Selbstvertrauen gibt. Sie ziehen sich immer mehr zurück, beteiligen sich nicht mehr am Unterricht und trauen sich nicht sich zu melden. Teilweise entstehen Ängste vor der Schule.
Da Mobbing fast immer Auswirkungen auf das Selbstvertrauen- und somit auf die Selbstwirksamkeit des betroffenen haben ist es Aufgabe der Ergotherapie Kinder so weit zu stärken, dass Attacken nicht mehr wirksam sind. Zudem ist es wichtig, die Kinder darin zu bestärken sich wieder am Unterricht beteiligen zu können, ohne Angst vor etwaigen Angriffen oder diffamiert zu werden. Ebenso kann Ergotherapie das Umfeld beraten und umstrukturieren, um Kinder vor dauerhaften Diffamierungen zu schützen.

Qualitätsmerkmale von Mobbing

Die Definition von Mobbing ist nicht ganz klar. Je nach Quelle unterscheidet diese sich stark. Häufig wird in diesem Zusammenhang den Begriff Aggressivität verwiesen, was allerdings auch verschieden interpretiert werden kann. So verstand Selg (1974) Aggression als gerichtete Verhaltensweise, die zur Schädigung eines Organismus, oder eines Organismusurrogats führt. Schule-Markwort (1994, S.16) weist auf den lateinischen Wortstamm „aggredere“ hin. Dies bedeutet:

Herangehen sich zu begeben, sich an jemanden wenden, ihn angehen

Zu gewinnen suchen

  • Zu bestechen suchen
  • Angreifen
  • Unternehmen, beginnen, versuchen, an etwas (Werk) gehen

Aggressionen behalten demnach auch den Aspekt des Zupackens, Herangehens an etwas. Jedoch ist dieser Aspekt auch in der kindlichen Entwicklung wichtig, um sich an neues heranzuwagen, sich die Umwelt anzueignen oder sich von alten Sachen lösen zu können.

Mobbing ist Immer eine Form der Aggression. Jedoch ist nicht jede Aggression Mobbing.

Wirksame Kriterien für Mobbing:

  • Zielgerichtete Aggression gegenüber einer Person (direkt, indirekt, psychisch oder physisch)
  • Mobbingopfer und Täter*innen sind feste Personen
  • Der Zeitraum ist (relativ) langfristig, besteht mindestens ein halbes Jahr

Auswirkungen von Mobbing

Mobbing verläuft häufig in einem Kreislauf. So gibt es den Täter, das Opfer und evtl. noch Mitläufer, Zuschauer, …

Ein Täter wirkt durch zielgerichtete Aktionen auf das Opfer ein, das Opfer reagiert, was den Täter wiederum in seinem Handeln bestärkt weiterzumachen. Häufig reagieren Opfer ängstlich, aggressiv oder verunsichert.

Erfolgt keine Reaktion des Opfers erzielt der Täter keinen Erfolg und es kommt nicht zu Mobbingproblematiken.

Doch wie wirkt sich Mobbing nun auf betroffene, Täter oder gar die gesamte Gruppengemeinschaft (z.B. Schulklasse aus)?

Betroffene von Mobbing können Ängste entwickeln (Schulangst, Schulunlust, Soziale Ängste), ebenso kann es zu körperlichen Beschwerden, wie Kopfschmerz, Bauchschmerz oder Schlafproblematiken kommen. Ein Leistungsabfall ist häufig bemerkbar und das Selbstvertrauen- sowie Selbstwertgefühl und damit auch die Selbstwirksamkeit verringert sich bei permanenten Angriffen. Je nach Persönlichkeit und Intensität der Angriffe kann es zu Depressionen, Suchtverhalten (Alkohol und andere Suchtmittel) kommen. Im Schlimmsten Fall entstehen Suizidgedanken bis einen vollzogenen Suizid.

Das Profil von Täter*innen ist zumeist auch eine unsichere Persönlichkeit. Ein Mobbingopfer nimmt häufig die erste Gelegenheit an selbst zum Täter zu werden, um sich zu schützen.

So haben Mobbingtäter in vielen Fällen ähnliche Profile / Auswirkungen, wie Opfer mit Zusatz von Aggressiv-Dissozialen Verhaltensweise und einer häufigen Ablehnung von Gleichaltrigen.

Bei umfangreicheren Mobbingthematiken wirken sich die Angriffe nicht selten auf eine gesamte Klasse- oder Gruppe aus. So entstehen häufig zerstrittene Lager.

Dadurch resultiert ein Vertrauensverlust gegenüber Lehrkräften und der Peer-Group. Ebenso ist häufig ein Leistungsabfall der gesamten Klasse bedingt durch ein negatives Gruppenklima beobachtbar. Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Zivilcourage und Empathie können durch ständige Unsicherheiten auf allen Seiten nur schwer erlernt werden.

Wie erkenne ich Mobbing?

Mobbing als außenstehender zu erkennen ist nicht immer leicht. Die betroffene Gruppe traut sich nicht immer, sich gegenüber erwachsenen zu outen. Dies erfordert nicht nur viel Mut, sondern auch ein sicheres Vertrauensverhältnis gegenüber Lehrern, Eltern, Therapeuten oder anderen.

Da Angriffe teilweise versteckt und ohne Beisein der Lehrkräfte stattfinden ist auch dies nicht immer direkt erkennbar. Die Auswirkungen lassen sich aber beobachten und sollten bei Verdacht auf Mobbingproblematiken mit den verantwortlichen Lehrkräften besprochen werden. Insbesondere, wenn sich die Kinder an Vertrauenspersonen wenden, sollte man dies ernstnehmen und sich die Situation genau schildern lassen.

Ebenso gibt es versch. Fragebögen, die Schüler*innen ausfüllen können. Entweder direkt auf Mobbingthematiken (Smob-Fragebogen, Beobachtungsprotokolle, Mobbing-Umfrage aus Das Anti-Mobbing-Buch (Beltz-Verlag))

Ebenso gibt es Fragebögen, die Schulängste, sowie die sozialen Stärken und Schwächen von Schülern abfragen (AFS, ALS, SDQ-DEU Fragebogen „Belastende Situationen in der Schule“).

Interventionsmöglichkeiten

Wichtig in der Arbeit mit Kindern ist es zwischen Präventions- und Interventionsangeboten zu unterscheiden. Präventiv sollten Kinder ein sicheres Selbstwertgefühl aufbauen und gehört / ernstgenommen werden, damit die Thematik gar nicht erst entsteht. Zudem kann vorab ein Vertrauenslehrer benannt werden und das Gruppengefühl von Anfang an dahingehend bestärkt werden, dass jeder Schüler so sein darf, wie er ist.

In der Intervention geht es um die Arbeit mit akuten Mobbing-Problematiken. Hierzu kann therapeutisch ein Ziel sein das Selbstvertrauen zu stärken, die Selbstwirksamkeit zu erhöhen und die Interaktionsfähigkeit so weit zu steigern, dass alle Kinder gerne zur Schule gehen und die Chance haben ungestört am Unterricht teilzunehmen. 

Da die betroffenen, aber auch die Täter*innen häufig Schwierigkeiten im Umgang mit dem Selbstvertrauen entwickeln oder haben kann dies ein Ziel für die Therapie sein. Ebenso sind der Leistungsabfall, Konzentrationsschwierigkeiten, Selbstvertrauen, oder andere Auffälligen z.B. das sich ein Kind nicht mehr im Unterricht meldet häufig ein Anliegen der Klienten oder dessen Umfeldes innerhalb der Ergotherapie.

Welche Klienten kommen in die Praxis?

In der Praxis vertreten sind häufig beide Seiten. So kommen Mobbingopfer, als auch Täter in die Praxis mit individuellen Anliegen. Dennoch ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, das auch Mobbing Ursache oder Verstärker für die Kernproblematik und das bestehende Anliegen der Klient*innen sein kann.

Eine Hospitation in der Schule, ein Gespräch mit Lehrer*innen und die Einbeziehung der Eltern kann helfen Aufschluss über die Situation und die logischen therapeutischen Schritte zu geben.

Innerhalb der Schulen gibt es versch. Modelle, die von außenstehenden, aber auch von Lehrkräften durchgeführt werden können. 

Eine Aufgabe der Ergotherapie kann es sein Schüler, Eltern und Lehrkräfte zu beraten. Häufig ist es sinnvoll ein Mobbingtagebuch zu führen, indem der betroffene die Angriffe dokumentiert. Damit hat man zum einen Beweis, den Schulen häufig ernstnehmen, wenn viele Einträge vorhanden sind, zum anderen haben Kinder eine Möglichkeit, sich das Erlebnisse „von der Seele zu schreiben“. Ebenso können Verteidigungsstrategien entwickelt werden. 

Häufig sind genau die Kinder betroffen, die sowieso schon einen Therapiebedarf haben, da diese Kinder eine ohnehin oft geschwächte Selbstwahrnehmung haben.


Über den memole Gastautor

Levi Hackbarth hat 2016 den www.lh-coaching.net

Anbieter von Praxissoftware für therapeutische Praxen

Wir haben nach zwei Jahren noch mal den Versuch unternommen Licht in das Dickicht der Angebote von Praxissoftware für Logopädie und Ergotherapie Praxen zu bekommen.

Dazu haben wir Anfragen an folgenden Anbieter geschickt:

  • Theralino
  • Praxxo
  • AZH
  • Amparex
  • Theorg
  • VivoInform
  • Thera-Pi Software
  • Medifox
  • Buchner
  • Henara
  • Lemongrass Software
  • Medifoxdan
  • Synaptos
  • Doc Cirrus
  • Patientify
  • iPrax

Fünf charmante Anbieter haben unsere Fragen beantworten können und wollen. Diese fünf Lösungen stellen wir euch gerne und transparent hier vor. Stand Juni 2022.

Die TOP fünf Praxissoftware Anbieter für Logopädie- und Ergotherapiepraxen

Wir haben ihnen folgenden Fragen gestellt:

  • Unternehmensname und Kontaktdaten.
  • Bitte stell dein Angebot vor.
  • Für welche Nutzergruppe ist die Software?
  • Wie kann man das Programm nutzen?
  • Start und Probe. Gibt es einen kostenlosen Probemonat oder eine Demo-Version zum Testen?
  • Schulung und Support. Wie kann die Nutzer*in das Programm (kennen) lernen. Gibt es Schulungen?
  • Welche Art von Support bietet ihr an (Öffnungszeiten, Kanäle, Kosten)?
  • Dateneingabe. Wie werden die Daten eingegeben?
  • Datensicherung. Wo und wie werden die Daten gespeichert? Gibt es automatische Datensicherungen? Wo und wie gibt es Erste Hilfe bei verlorenen Daten/ Geräten?
  • Terminmanagement. Ist es integriert? (wie, welches System)
  • Gibt es eine Schnittstelle zu einem empfohlenen Terminverwaltungsprogramm? Abrechnung. In wieweit kann die Abrechnung vorbereitet bzw. vollständig selbständig durchgeführt werden?
  • Konditionen. Welche Preismodelle gibt?
  • Herausforderungen/Grenzen. Wo liegen die Grenzen des Systems? Hier bitte etwas Selbstkritik oder geplante
  • Ausbaustufen.

Hier sind die wichtigsten Antworten:

Wie funktioniert die Software?

Praxxo: Software zur Installation auf dem Rechner.

Patientify: Online.

Qikbee: Software zur Installation auf dem Rechner.

Henara: Software zur Installation auf dem Rechner.

VivoInform: Software zur Installation auf dem Rechner.

Schulung und Support

Praxxo: Schulung kann vor Ort, per Fernwartung oder im Schulungsraum bei Firma ukado erfolgen. Support erfolgt über Fernwartung.

Patientify: Zum Start gibt es eine Schulung um dem Nutzer den Einstieg zu erleichtern. Wir bieten Email und Telefon Support an.

Qikbee: Es gibt kostenlose Kennenlern-Webinare, individuelle Schulungen bei Bedarf. Im monatlichen Preis sind Support (telefonisch, E-Mail) und Updates (Programm, Preise, Kostenträger) enthalten.

Henara: Testmonat, Onboarding-Schulung und regelmäßige Webinare kostenfrei. Weitere Sonderschulung sind kostenpflichtig. 

VivoInform: Anwenderschulung (gegen Gebühr), Online Support ( Ticketsystem & Telefonisch), Große Wissensdatenbank, Über 160 YouTube Anwendervideos zur Unterstützung. Öffnungszeiten 8:00 – 16:00 Uhr.

Konditionen

Praxxo: Die Software praxxo ist modulweise aufgebaut. Das Grundmodul BASIC (Stammdaten, Kalender, Verordnungsdokumentation) kann durch Zukauf weiterer Module ergänzt werden. Wichtige Module sind PLUS (Preislisten, Abrechnung, Quittungen, Rechnungen) DTA (Selbstabrechnung mit den Krankenkassen), OFF (Datensynchronisation mit anderer Praxis oder HomeOffice). Ebenso kann das Einzelplatzsystem in ein Mehrplatzsystem (Netzwerk) erweitert werden. Einzelplatz mit BASIC/PLUS/Chipkartenleser ab 399,- (netto) = einmaliger Kaufpreis. Softwarepflege/Wartungsvertrag (monatlich) ab 18,- (netto).

Patientify: Preisliste siehe Webseite.

Qikbee: 35€ plus MwSt monatlich (Support/Updates); die Nutzung der App kostet 3€ plus MwSt; für den Onlinekalender werden 5€ plus MwSt pro Monat berechnet.

Henara: Das ist abhängig von den Services/Modulen die man nutzen möchte. Gern senden wir eine Preisliste zu.

VivoInform: Abo Modell mit kurzen Kündigungsfristen. Transparente Preisgestaltung, ohne versteckte Zusatzkosten. Der Preis richtet sich nach der Anzahl der Mitarbeiter (Lizenzen).

Besonderes für memole Kund*innen 

Praxxo: Leser*innen des memole Magazins erhalten auf den Kaufpreis der Module BASIC/PLUS einen Rabatt von 5%. .

Patientify: 25% Rabatt für Neukund*innen.

Qikbee: Falls Du dich bis zum 31.8.2022 für QIKBEE entscheiden, die ersten drei Monate für dich kostenlos.

Henara: Wir bieten den memole Leser*innen für einen Zeitraum bis 31. Oktober 50 % Rabatt für sämtliche Softwarekosten für 1 Jahr.

VivoInform: Wir bieten den memole Leser*innen eine erste kostenlose Web-Demo an. 

Unsere Gastautorin Helen Mensen rückt das Wohlbefinden und die Gesundheit am Arbeitsplatz in den Fokus. Ihre Motivation schöpft sie aus vielfältigen, praktischen Arbeitsprojekten mit therapeutisch-pädagogischem Fachpersonal, aus geballtem Wissen aus ihrem Masterstudium Public Health sowie aus ihrer über zwölfjährigen Berufs- und Beratungspraxis im Bereich Logopädie.

Der folgende Artikel soll alle Therapeuten und Therapeutinnen aus den Heilmittelberufen zum Handeln anregen, um persönliche Beanspruchungen aufzudecken und die eigene Gesundheit im Therapiealltag zu stärken.

Die Heilmittelberufe sind vielfältig. Kein Therapiealltag gleicht dem anderen. Innerhalb kurzer Zeit und mehrmals am Tag wechseln Fachkräfte für Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie ihren Fokus von einer Person auf die nächste. Therapeutisches Wissen aus unterschiedlichen Themenbereichen wird schnell und sicher abgerufen – eine Stärke, die Fachkräfte in Therapieberufen wie selbstverständlich leisten und die Kraft und Energie fordert. Immer mit dem Ziel: die Lebensqualität und das Wohlbefinden der zu behandelnden Personen zu verbessern und sich bestmöglich um diese zu kümmern.

Therapiealltag kann belastend sein

Es gibt viele Situationen, die deine Gesundheit im Therapiealltag auf den Prüfstand stellen – egal ob du Berufseinsteiger*in bist, gerade den Job gewechselt hast oder langjährig im Berufsleben stehst: Patientengeschichten, die dich berühren, Wissensunsicherheiten im therapeutischen Arbeiten, Erwartungen von Arbeitgebern, Arbeitgeberinnen und Krankenkassen, Zeitdruck oder die durch Digitalisierung und Homeoffice entstehende Entgrenzung zwischen Arbeits- und Privatleben. Das sind Belastungen, auf die du mit unterschiedlichen Beanspruchungen reagierst: muskuläre Reaktionen wie Kopf- oder Rückenschmerzen oder emotionale Reaktionen wie Angespanntheit und Gereiztheit gehören dazu. 

Richte Deinen Fokus auf Dich

Wage den Perspektivwechseln und rücke dich in deiner Arbeitswelt in den Fokus. Mache hierzu eine kleine Übung: Denke an deine letzten vier Arbeitswochen zurück. Gab es Signale deines Körpers, die auf Beanspruchung in deinem Arbeitsalltag hindeuteten? Rückenschmerzen, Gereiztheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Verspannungen? Kennst du solche Situationen? Weißt du, wie du damit umgehen kannst? 

Das Wissen, wie du solchen Belastungen begegnest, findet in der therapeutischen Ausbildung und im Studium kaum Platz. Werde daher selber aktiv: Erweitere dein Wissen über das Entstehen von Arbeitsanforderungen und einen gesunden Umgang damit. Schärfe dein Auge für die individuellen Bereiche, die dich fordern. Erkenne, welche Bereiche dir Energie geben. Entwickle aus deinen Beobachtungen Strategien, die deine persönlichen Beanspruchungen auflösen – mit dem hervorragenden Ergebnis, dass du so lernst, dich prima um dich selbst zu kümmern und deine Arbeitszufriedenheit wahrst.

Selbstreflektion ist wichtig

Ein kleines Beispiel: Du startest gerade frisch ausgebildet in deine erste Praxisanstellung oder hast den Job gewechselt. Nach zwei Vollzeitwochen arbeitest du vermehrt angespannt und startest schon morgens häufig mit Kopfschmerzen in den Tag. Dein Wohlbefinden auf der Arbeit leidet und Du bist ratlos, woran das liegt.Schau genau hin und entdecke die Gründe. Eine gute Selbstreflektion und Eigenbeobachtung in unterschiedlichen Bereichen sind nun erforderlich:Du beschreibst dich im Allgemeinen eher als strukturierte Person. Zudem spürst du, dass dir in deinem Therapiealltag zwischen dem Wechsel von einer Therapie zur nächsten ein Ruhemoment fehlt, um die vergangene Therapie abzurunden und den folgenden Behandlungsplan zu sichten. Dein Arbeitszeitplan wurde dir vorgegeben: Nur eine 45-minütige Mittagspause am Tag, leider meist gefüllt mit beruflichen Telefonaten. Das macht dir enormen Zeitdruck. In Ruhe zu Essen schaffst du nicht. 

Lösungen sind vielfältig

Was kann dir nun helfen? Eine Lösungsstrategie kann sein, deinen Arbeitsplan nach deinen Bedürfnissen zu verändern. Vielleicht entzerrt eine minimale Zusatzpause am Vor- und Nachmittag bereits deinen Zeitdruck? Oder dir hilft es morgens, statt auf den letzten Drücker, lieber besonders pünktlich 30 Minuten vor Arbeitsbeginn in der Praxis zu sein? So kannst du den anstehenden Tag noch einmal strukturieren. Diese Vorbereitung gibt dir Sicherheit, kann Anspannungen auflösen und deine Kopfschmerzen reduzieren. Zusätzlich bemerkst du sogar, dass die neu entstandenen, morgendlichen Austauschmöglichkeit mit Kollegen und Kolleginnen dir Energie für den Tag geben. Oder es bleibt Zeit für ein kurzes Frühstück, das den Mittagshunger reduziert. Erkennst du dich wieder? Durch solche Strategien kannst du Beanspruchungen lösen. Und es gibt noch viele weitere Möglichkeiten.

Lebe deine neuen Strategien

Du merkst: Gesunde Lösungen benötigen deinen selbstreflektierten Blick auf die individuelle Arbeitssituationen und eine Portion Ideenreichtum. Auch ist es wichtig, dass du neue Ideen und Strategien lebst, ausprobierst und immer wieder anpasst. Es ist im Therapiealltag nicht notwendig, sich den Voraussetzungen, Belastungen und resultierenden Beanspruchungen ausschließlich hinzugeben. Du kannst selbst ein Teil der Lösung sein. Du hast es in der Hand: Entwickle gesunde Strategien und meistere deine Belastungssituationen, indem du persönliche Energieressourcen auffüllst – das ist der Schlüssel zu langfristigem Wohlbefinden, deinem gesunden Arbeitsalltag und zu erfolgreicher Therapiearbeit!

Frühkindliche Reflexe (auch: primitive Reflexe) entstehen vor der Geburt im Mutterleib.
Das Baby trainiert bereits für die Geburt und das Überleben „an Land“.

Insgesamt gibt es über 70 verschiedene frühkindliche Reflexe, die alle ihren Platz in der (früh)kindlichen Entwicklung haben.
Allerdings beschäftigen wir uns in der Regel nur mit einem Bruchteil von ihnen. Schon bei der U1 überprüft der Kinderarzt/die Kinderärztin, ob die frühkindlichen Reflexe vorhanden sind.
Bei einem reif geborenen Baby sollten alle frühkindlichen Reflexe direkt nach der Geburt aktiv sein.

Frühkindliche Reflexe sind – im Gegensatz zu lebenslangen Reflexen (wie der Lidschlussreflex, der Patellarsehnenreflex, usw.) – nur eine gewisse Zeit aktiv. Und sie entwickeln sich: sie erstarken, haben einen Höhepunkt und werden danach in die willkürlichen Bewegungsmuster integriert oder vollständig gehemmt.

Zum Beispiel kommt ein Baby mit einem vollständig entwickelten Greifreflex (Palmar-Reflex) auf die Welt. Vor der Geburt ist dieser Reflex herangereift. Mit den Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrungen nach der Geburt wird der Greifreflex langsam in das willkürliche (= absichtsvolle) Greifen integriert, bis der Reflex nicht mehr auslösbar ist.

Jeder frühkindliche Reflex hat zudem eine sogenannte „Waltezeit“ (Bobath), in der er aktiv sein MUSS, um die Entwicklung voranzubringen.

 

Wurde ein frühkindlicher Reflex gehemmt oder integriert, ist er dennoch nicht einfach weg, sondern wurde eher von anderen motorischen Mustern überlagert.
Nach Hirnschädigungen wie Schlaganfall, Hirnblutung, aber auch degenerativen Erkrankungen wie Demenz, Morbus Parkinson, usw. treten die frühkindlichen Reflexe wieder in Erscheinung.
In unserem Alltag arbeiten wir täglich unbewusst daran, dass die frühkindlichen Reflexe integriert/gehemmt bleiben.
Bei Bewegungsmangel (z.B. im Alter) ist es auch möglich, dass frühkindliche Reflexe wieder aktiv werden. Das nennt man dann „Enthemmung“.

Wann werden Reflexe zum Zum Stolperstein?

Zum Stolperstein werden frühkindliche Reflexe, wenn sie nicht zeitgerecht oder nicht vollständig gehemmt oder integriert werden.
Dies kann viele Ursachen haben, die im Nachhinein oft nicht mehr nachvollziehbar sind oder teilweise nicht zu verhindern waren.
In der Schwangerschaft können zum Beispiel Bewegungsmangel (teilweise ärztlich verordnet) oder viel Angst und Stress, Drogen, Alkohol, Medikamente, usw. der Grund sein.
Unter der Geburt spielen dann alle Dinge, die von einer vaginalen Geburt in der vorderen Hinterhauptslage abweichen, eine Rolle: Kaiserschnitt, PDA oder Maßnahmen wie Zange, Saugglocke und das Kristeller-Manöver, Sternengucker, Steißlage, usw.
Auch das lässt sich nicht immer vermeiden und kann medizinisch notwendig sein.

Großen Einfluss haben wir allerdings auf das Handling der Babys und Kleinkinder. Mittels Wippen, Wiegen, Gehfrei und sonstigen Hilfsmitteln können – wenn sie häufig und lange eingesetzt werden – wichtige Meilensteine der Entwicklung verhindert werden (die WHO empfiehlt übrigens, Wippen & Co im 1. Lebensjahr NICHT zu nutzen!).
Den Kindern fehlen dann oft die Bewegungserfahrungen, um die frühkindlichen Reflexe eigenständig zu integrieren/hemmen. Denn eigentlich muss das Kind dabei nicht von außen unterstützt werden – die Bereitung des „Bodens“ (im wahrsten Sinne des Wortes) ist völlig ausreichend.
Auch eine falsch verstandene Förderung, bei der der physiologischen Entwicklung vorausgegriffen wird, kann ebenso Ursache sein.
Das Kind also hinzusetzen oder hinzustellen, obwohl es diesen Entwicklungsschritt noch nicht von alleine erworben hat, fördert eher pathologische Muster und Kompensationsmechanismen und lässt die frühkindlichen Reflexe aktiv bleiben.

Was sind persistierende frühkindliche Reflexe?

Frühkindliche Reflexe, die über ihren Zeitraum hinaus aktiv sind, nennt man „persistierende frühkindliche Reflexe“ oder auch „Restreaktionen frühkindlicher Bewegungsmuster“.
Diese wirken sich dann negativ auf die motorische Entwicklung, das Verhalten, die willkürliche Interaktion mit der Umwelt, die sensorischen Integration, die Wahrnehmung, die Kognition, das Ausdrucksvermögens und das Lernen aus.
Zusammengefasst spricht man dann von einer „neuromotorischen Unreife“.

Leider werden die meisten Kinder erst im Grundschulalter auffällig, denn die meisten Kinderärzte überprüfen nur im 1. Lebensjahr, ob die frühkindlichen Reflexe aktiv sind und nicht, ob sie auch zeitgerecht wieder verschwinden.

Die persistierenden frühkindlichen Reflexe können nachträglich integriert und gehemmt werden.
Je früher, desto besser!

Literatur*

Greifen und BeGreifen“ – Sally Goddard Blythe
Neuromotorische Schulreife“ – Sally Goddard Blythe
Flügel und Wurzeln“ – Dorothea Beigel
Bewegungen, die heilen“ – Dr. Harald Blomberg
Angeborene Fremdreflexe“ – Robby Sacher
Entdeckungsgeschichte frühkindlicher Reflexe“ – Claudia Kotter
Neuromotorische Unreife bei Kindern und Erwachsenen“ – Sally Goddard Blythe

 

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Über mich

Mein Name ist Lisa Brandl-Sommerfeld und ich bin Logopädin und Legasthenie-Trainerin (EÖDL) von Beruf.
Ich arbeite an einer Schule für geistige Entwicklung.
Mit den frühkindlichen Reflexen beschäftige ich mich schon seit über 10 Jahren.
Wer mehr über das Thema wissen möchte, findet mich auf logosaurus.de und bei Instagram unter @der_logosaurus.

Judith Hopf ist Sport- und Ergotherapeutin und arbeitet in Essen in einer Praxis mit dem Schwerpunkt Pädiatrie und Psychiatrie . Im memole Interview erzählt sie auf welchen Umwegen sie zur Ergotherapie kam und was sie bei MIT HERZ & HOPF 2021 vorhat.

Ihre Links

Du erreichst sie für Fragen hier

Mail: info@herz-hopf.de
Instagram: @mit_herz_und_hopf

 

Schau dir hier das Interview mit Judith an.

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Artikel zum Thema „Urlaub“ – 2. Teil

In meinem ersten Beitrag vom konnte ich bereits einige Fragen rund um das Thema „Urlaub“ beantworten. In diesem Beitrag möchte ich unter anderem darauf eingehen, welche Regeln bei Schwangerschaft, Mutterschutz oder Elternzeit bestehen und wie mit Resturlaubsanspruch umgegangen wird, wenn das Arbeitsverhältnis endet.

Gastautorin Rechtsanwältin Nadine Seidel ist erfahrene Expertin für das Thema Urlaubsrecht für Therapeuten aus Berlin.

1. Haben Schwangerschaft und Mutterschutz Einfluss auf den Urlaubsanspruch?

Der Urlaubsanspruch wird durch Zeiten der Schwangerschaft oder des Mutterschutzes nicht berührt. Das bedeutet, dass deinen Mitarbeiterinnen auch für diese Zeiträume Urlaubsansprüche entstehen.

Die Urlaubsansprüche verfallen aber nicht – wie sonst üblich – am Ende des jeweiligen Kalenderjahres. Nach Ende des Mutterschutzes können deine Mitarbeiterinnen gemäß § 24 Mutterschutzgesetz (MuSchG) ihre vor und während des Mutterschutzes entstandenen Urlaubsansprüche entweder im laufenden oder nächsten Kalenderjahr in Anspruch nehmen. Besonderheiten ergeben sich, wenn sich an den Mutterschutz die Elternzeit anschließt.

 

Fallbeispiele

Deine Mitarbeiterin hatte vor Beginn des Mutterschutzes noch 5 Urlaubstage. Der Mutterschutz beginnt am 22. Juli 2019. Ihr Kind kommt am 9. September 2019 zur Welt. Endete der Mutterschutz nach acht Wochen am 4. November 2019, muss deine Mitarbeiterin ab dem 5. November 2019 wieder arbeiten Der vor und während des Mutterschutzes entstandene Urlaub kann dann noch in der Zeit vom 5. November 2019 bis zum 31. Dezember 2020 beansprucht werden.
Nimmt deine Mitarbeiterin im vorstehenden Fallbeispiel Elternzeit in der Zeit vom 9. September 2019 bis einschließlich zum 8. September 2020, kann sie die vor und während des Mutterschutzes entstandenen Urlaubsansprüche in der Zeit vom 9. September 2020 bis zum 31. Dezember 2021 in Anspruch nehmen.

2. Entsteht auch während der Elternzeit ein Urlaubsanspruch?

Auch während der Elternzeit entsteht deinen Mitarbeiterinnen ein Urlaubsanspruch. Das bedeutet, dass deine Mitarbeiterinnen für diese Zeit Urlaubstage ansammeln und nach dem Ende der Elternzeit im laufenden oder folgenden Kalenderjahr in Anspruch nehmen können.

Der Arbeitgeber ist aber gemäß § 17 Abs. 1 Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit (BEEG) berechtigt, den Urlaubsanspruch für jeden vollen Kalendermonat der Elternzeit in Vollzeit um ein Zwölftel des Jahresurlaubsanspruchs zu kürzen.

 

Fallbeispiele

Deine Mitarbeiterin hat einen jährlichen Urlaubsanspruch von 24 Tagen. In der Zeit vom 1. November 2019 bis zum 31. August 2020 (10 Monate) nimmt sie Elternzeit. Für diesen Zeitraum entsteht ihr grundsätzlich ein Urlaubsanspruch von 20 Tagen, der aber vom Arbeitgeber vollständig gekürzt werden kann.
Besteht die Elternzeit vom 5. November 2019 bis zum 4. August 2020, kann der Urlaub nur für die Monate Dezember 2019 bis Juli 2019 gekürzt werden. Für die Monate November 2019 und August 2020 gibt es keine Kürzungsmöglichkeit, weil in diesen Monaten die Elternzeit nicht für den vollen Monat besteht.

Um den Urlaubsanspruch wirksam kürzen zu können, musst du dies deinen Mitarbeiterinnen (vorsorglich schriftlich) mitteilen. Die Erklärung kann vor, während oder auch nach der Elternzeit erfolgen. Wird das Arbeitsverhältnis direkt im Anschluss an die Elternzeit beendet und erfolgt keine Erklärung zur Kürzung des während der Elternzeit entstandenen Urlaubsanspruchs, steht deinen Mitarbeiterinnen ggf. ein Anspruch auf finanzielle Abgeltung der Urlaubstage zu.

 

3. Kannst du die Urlaubsansprüche auch während der Elternzeit in Teilzeit kürzen?

Arbeiten deine Mitarbeiterinnen während der Elternzeit in Teilzeit, können die in dieser Zeit entstandenen Urlaubsansprüche nicht gekürzt werden. Wie viele Urlaubstage in der Elternteilzeit tatsächlich entstehen, richtet sich danach, an wie vielen Tagen pro Woche deine Mitarbeiterinnen arbeiten (vgl. Ausführungen in meinem Beitrag unter Punkt 1).

4. Was passiert mit dem Urlaubsanspruch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses?

Wieviel Resturlaub deine Mitarbeiterinnen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses noch haben, hängt zunächst davon ab, zu welchem Zeitpunkt im Jahr das Arbeitsverhältnis endet.

Endet das Arbeitsverhältnis vor dem bzw. mit Ablauf des 30. Juni, entsteht der Urlaubsanspruch für das Kalenderjahr nur anteilig bis zum Beendigungstag.
Dagegen haben deine Mitarbeiterinnen Anspruch auf den vollen Jahresurlaub, wenn das Arbeitsverhältnis zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember endet.

Kann der Resturlaub aus dringenden betrieblichen Gründen oder wegen vorrangiger (z. B. weil schon genehmigter) Urlaubswünsche anderer Mitarbeiterinnen vor der Beendigung nicht gewährt werden, ist er auszuzahlen. Für die Berechnung der Urlaubsabgeltung kannst du für eine Mitarbeiterin mit einer 5-Tage-Woche folgende Berechnungsformel anwenden:

Urlaubsabgeltung = Bruttogehalt für 13 Wochen / 65 Arbeitstage x Resturlaubstage

Das Bruttogehalt für 13 Wochen entspricht dem Gehalt für ein Quartal, insgesamt also drei Bruttomonatsgehälter. Arbeitet deine Mitarbeiterin in einer 6-Tage-Woche oder an weniger als 5 Tagen in der Woche, ist die Berechnungsformel hinsichtlich der Anzahl der Arbeitstage wie folgt anzupassen:

  • 6-Tage-Woche: Quartalsgehalt / 78 Arbeitstage x Resturlaubstage,
  • 4-Tage-Woche: Quartalsgehalt / 52 Arbeitstage x Resturlaubstage,
  • 3-Tage-Woche: Quartalsgehalt / 39 Arbeitstage x Resturlaubstage,
  • 2-Tage-Woche: Quartalsgehalt / 26 Arbeitstage x Resturlaubstage.

 

Fallbeispiele

Deine Mitarbeiterin erhält für ihre Tätigkeit in einer 5-Tage-Woche ein Bruttomonatsgehalt in Höhe von 3.300 € und sie hat bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses noch 13 Urlaubstage. Die Urlaubsabgeltung beträgt:

(3 x 3.300 €) / 65 Arbeitstage x 13 = 1.979,99 €

Im Gegensatz zum vorigen Fallbeispiel arbeitet deine Mitarbeiterin in einer 4-Tage-Woche. Die Urlaubsabgeltung wird dann wie folgt berechnet:

(3 x 3.300 €) / 52 Arbeitstage x 13 = 2.474,99 €

 

 

Gastautorin bei memole ist Rechtsanwältin Nadine Seidel, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Berlin. Du erreichst sie:

Frau Nadine Seidel
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Steinkühler – Kanzlei für Arbeits- und Gesellschaftsrecht
Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB
Schillerstraße 3
10625 Berlin
Tel: (030) 31 80 59 40
se@steinkuehler-legal.com
www.steinkuehler-legal.com

In diesem memole Interview erfährst du, wie Logopädin Christine Bieh zu ihrer Ausbildung gekommen ist und warum sie mit dem Weiterbilden einfach nicht aufhört.

memole Interview mit Dozentin Christine Bieh

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Shownotes:

Hier geht es direkt zum Kurs von Logopädin und memole Dozentin Christine.