Im Gastartikel von Stefanie Delz berichtet die erfahrene Logopädin über eine der vielen berührenden Momente, in denen Tiere eine “kommunikative Schlüsselrolle” spielen.

Stefanie Delz ist Logopädin, NF!T & MST Therapeutin und Therapeutin für tiergestützte Therapie. Sie lebt mit ihrer 2013 ausgebildeten Therapiebegleithündin Mara: eine intelligente Pudeldame, in der Nähe von Wismar. Aktuell arbeitet Stefanie im Sozialpädiatrischen Zentrum der Uniklinik Rostock. Sie engagiert sich im Netzwerk Unterstützte Kommunikation Mecklenburg-Vorpommern und im Dysphagie Netzwerk Nord. Stefanie ist trotz zahlreicher Fortbildungen immer bereit Neues zu lernen.

 

Wofür steht die Abkürzung SPZ?

Die Abkürzung steht für Sozialpädiatrisches Zentrum/Sozialpädiatrische Zentren.
Diese Zentren sind nach § 119 SGB V eine Sonderform der interdisziplinären ambulanten Krankenbehandlung.
Sie arbeiten ergänzend zu den Praxen von Kinderärzten, Therapeuten und Frühförderstellen. Zurzeit gibt es bundesweit 146 Zentren.

Anfang des 19. Jahrhunderts erkannten Kinderärzte, dass viele Krankheiten und Entwicklungsstörungen auch durch soziale Probleme verursacht oder verstärkt wurden. 1920 gründete sich die „ Deutsche Vereinigung für Säuglings- und Kleinkinderschutz“. Etwa die Hälfte der damals tätigen Kinderärzte war jüdisch. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich die Kinderärztliche Versorgung in Deutschland erheblich.

 

Die oben genannte Vereinigung wurde dann 1948 wiedergegründet und im Verlauf umbenannt in „Deutsche Vereinigung für Gesundheitsfürsorge des Kindesalter“.
Anfang der 1960er Jahre entstand am Münchener Universitätsklinikum eine selbständige „Abteilung für Prohylaktische Pädiatrie“. 1966 wurde die „ Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin“ DGSPJ e.V. als Nachfolgerin der Deutschen Vereinigung für die Gesundheitsfürsorge im Kindesalter gegründet . Das Publikationsorgan ist die Zeitschrift „ Kinderärztliche Praxis – Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin“.

1968 wurde dann das erste Sozialpädiatrische Zentrum in München als Einrichtung zur interdisziplinären Behandlung von Kindern jeglichen Alters mit Entwicklungsauffälligkeuten gegründet.

Sozialpädiatrie ist also keine weitere Spezialdisziplin der Kinder- und Jugendmedizin. Es ist der Gedanke, über ärztlich- medizinisches Handeln hinaus, dass die verschiedenen Fachgebiete zusammen arbeiten.

Was macht ein SPZ?

Als spezialisierte, medizinische Einrichtung führen SPZ´s Untersuchungen und Behandlungen von Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen, also von 0 bis 18 Jahren, durch. Bei Ihnen liegt eine vermutete oder bereits bestätigte Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung vor. Nicht nur die
betroffene

Betroffenen Kinder sind im Fokus der Behandlung, die Versorgung erfolgt immer unter Betrachtung des familiären und außerfamiliären Umfeldes. Hierzu gehören z.B. auch Beratung und Anleitung.
Chronisch Kranke und körperlich, geistig oder seelisch behinderte Kinder sollen sich in Richtung von mehr Normalität und Teilhabe entwickeln können. Ziel ist es, dass die Kinder einen möglichst eigenständigen Weg, ihrer Persönlichkeit entsprechend, gehen können.

Die Rahmenbedingungen sind durch die Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialpädiatrischer Zentren (BAG SPZ) beschrieben und im „ Alltöttinger Papier“ formuliert.

 

Wer arbeitet im SPZ?

Die Leitung erfolgt durch spezialisierte Kinder – und Jugendmediziner.
Weitere Fachbereiche sind Psychologie, Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie, Heil- und Sozialpädagogen. Unterstützt werden diese durch Mitarbeiter der Kinderkrankenpflege und MTA ´s.
Medizinisch Technische Assistenten (MTAs).

Wer übernimmt die Beauftragung und die Kosten für die Behandlung?

Die Behandlung muss vom einen niedergelassenen Arzt verordnet werden, die Inanspruchnahme ist für gesetzlich Versicherte kostenlos.

Was ist das Besondere?

Die verschiedenen Berufsgruppen arbeiten eng im Team zusammen und sprechen sich bei der Diagnostik und Behandlung ab und koordinieren diese. Neben der medizinischen Herangehensweise wird die Familie und das Umfeld mit berücksichtigt. Familiäre Belastungen oder Stressfaktoren können Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder haben. Die Kinder werden über ihre gesamte Kindheit bis ins Jugendalter betreut.
Ein SPZ versucht als Schnittstelle/ Bindeglied mit anderen ärztlichen, therapeutischen und sozialen Einrichtungen zusammenzuarbeiten die sich mit dem Kind beschäftigen. Dies können Frühförderstellen, Kindergärten, Schule, niedergelassene Therapeuten, Rehakliniken oder auch mal das Jugendamt sein. Dafür reden wir mit den Familien, mit dem Kind und miteinander. So wird versucht, Fachwissen, im Interesse der Kinder, zu bündeln. Nicht nur Defizite und Schwierigkeiten sondern auch Stärken werden gesehen.

Wie ist der Ablauf im SPZ?

Alle in einem SPZ vorgestellten Kinder und Jugendlichen werden zunächst ärztlich oder psychologisch vorgestellt. Dabei wird der Vorstellungsanlass geklärt, Fragen und Sorgen besprochen. Auch der bisherige Entwicklungsweg wird angeschaut. Im Verlauf erfolgen weitere Untersuchungen je nach Fragestellung. Am Ende des diagnostischen Prozesses werden Empfehlungen ausgesprochen z.B. zu Therapien, Medikamenten, Hilfsmittelversorgungen und ggf. Rehabilitation. Dazu können auch Entscheidungen über die Wahl des Kindergartens oder der Schule gehören. Bei Bedarf werden Möglichkeiten der Unterstützung durch das Jugendamt oder Versorgungsleistungen geklärt.
Je nach Ergebnis der Eingangsdiagnostik können Beratungen oder Termine zur Verlaufsdiagnostik vereinbart werden.
Bei Bedarf werden Familien über einen längeren Zeitraum begleitet.

Um die Arbeit des SPZs mit den Krankenkassen abrechnen zu können benötigt man einen Überweisungsschein. Alle Leistungen der verschiedenen Mitarbeiter sind damit gedeckt. Es können dann auch Heil- und Hilfsmittel oder Medikamente verordnet werden.