Warum Patienten in der Zusammenarbeit mit mir als Therapeut*in davon profitieren, wenn das Therapieziel auf ein positives Selbstbild (Selbstwirksamkeit) hinwirkt

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Viele Patienten, insbesondere Kinder und Jugendliche besitzen ein geringes Selbstwertgefühl. Bestärkt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, Homeschooling, aber auch die Technologisierung unserer Infrastruktur wird Kontaktverhalten nur noch wenig beübt und es fehlt an Erfahrung.

In den letzten Jahren waren unsere Kinder häufig isoliert. Durch fehlenden Kontakt zur eigenen Peergroup, als auch zu erwachsenen außerhalb des eigenen Hausstandes wird Interaktion zu Menschen immer weniger verlangt. Aber auch im alltäglichen Leben wird man mit sozialen Interaktionen nur noch selten konfrontiert. So gibt es inzwischen Selbstbedienungskassen im Supermarkt und in Fastfood Ketten wird per Bedienterminal an einem Computer- und nur noch selten direkt am Menschen an der Kasse bestellt.

Ebenso ist die Anzahl der Freunde und Sozialkontakte von Kindern heutzutage häufig geringer und die Freie Zeiteinteilung von Kindern weniger selbstbestimmt.

Soziale Interaktion gibt einem die Möglichkeit Selbstvertrauen aufzubauen. Allerdings erfordert soziale Interaktion auch eine Menge Selbstvertrauen. Sich trauen, sich mit einem Freund zu verabreden, sich auf eine Uhrzeit und einen Ort festlegen ist für viele Kinder bereits ein großer Schritt.

Auswirkungen von geringen Selbstvertrauen

Ein geringes Selbstvertrauen wirkt sich sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern in vielen Lebensbereichen aus. Wenn ich mich nicht traue auf andere Menschen zuzugehen, offen zu sprechen, oder in Interaktion zu treten sind viele Anforderungen und Möglichkeiten des alltäglichen Lebens eingeschränkt.

Kinder werden häufig still und ziehen sich zurück. Viele trauen sich nicht, sich im Unterricht zu beteiligen, was sich natürlich auf die Noten und später den Abschluss auswirkt. Zudem treten auch Mobbing Thematiken immer wieder auf.

Kinder mit einem geringen Selbstvertrauen haben häufig keine Freunde, oder nur einen gering ausgeprägten Freundeskreis. Dadurch kann sich soziale Kompetenz nur erschwert entwickeln und das Kind wird von anderen gemieden. Unsichere Kinder vermeiden Herausforderungen und entwickeln ein gering ausgeprägtes Selbstbild, wodurch sie sich dann zusätzlich unterschätzen. Dadurch wird dann der Inner-Drive gehemmt. Zu guter Letzt hat ein geringes Selbstvertrauen einen Zusammenhang mit diversen tiefergehenden Psychischen Erkrankungen (Angststörungen, Depressionen, …).

Einfluss auf die Selbstwirksamkeit

Ein geringes Selbstvertrauen wirkt sich auf die Selbstwirksamkeit, sowie auf die Selbstständigkeit aus. Durch die Hemmung des Inner-Drives werden Wünsche und Bedürfnisse nicht immer angesprochen oder vom Kind selbst vernachlässigt. Klassischerweise sind diese Kinder sehr unsicher und trauen sich nur wenig Leistung oder gar Herausforderung in allen Lebenslagen zu. So schaffen es diese Kinder wenig mit ihrem Körper z.B. auf dem Spielplatz zu experimentieren („Was kann ich eigentlich?“). Durch die fehlende Experimentierfreude wird die Entwicklung gehemmt und die Kinder können ihre eigenen Fähigkeiten nicht realistisch einschätzen, sondern ziehen sich zunehmend zurück. Freude und Erfolg treten durch Hemmung des Inner-Drives weniger auf, was in letzter Instanz zu einer weiteren Isolation oder Flucht ins alleinsein werden kann.

Dieser Einfluss auf die Lebensqualität kann definitiv eine Therapie begründen. Insbesondere in der Ergotherapie geht es immer um Teilhabe. Teilhabe an Aktivitäten, Teilhabe am alltäglichen und auch sozialen Leben und somit auch die Möglichkeit, das Vertrauen zu haben, sich einer Gruppe anzuschließen.

Was macht den Selbstwert aus?

Der Selbstwert wird durch eigen- und fremdbestimmende Faktoren gebildet. Insbesondere die Kinder- und Jugendjahre bestimmen den Selbstwert und die Prägung zu einem hohen oder geringen Selbstvertrauen für das gesamte Leben und sind dadurch besonders wichtig.

Ein erwachsener, der als Kind gelernt hat, das er stark sein darf und viele positive Erfahrungen sammeln durfte hat es deutlich leichter auch später ein gesundes Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten. Daher und auch dadurch das viele Therapiebedürftigen Probleme aufgrund einer Selbstvertrauensproblematik entstehen ist es besonders wichtig, dass Therapeuten Interventionsmöglichkeiten kennen, das Selbstvertrauen und somit die Selbstwirksamkeit und die Vulnerabilität zu stärken.

Das Selbstbild wird bestimmt durch:

–          – Prägung

–          – Inner-Drive, Innerer Dialog

–          – Glaubenssätze

–          – Stärken und Schwächen

–          – Erfolg

–          – Vorbilder

Das Fremdbild wird bestimmt durch:

–          – Kritik und Lob

–          – Respekt von anderen

–          – Wertschätzung

–          – Sympathie, Liebe, Peer-Group

(Diese Listen sind nicht vollständig!)

Mögliche Therapieziele in Bezug auf Selbstwirksamkeit

Da Selbstvertrauen nur schwer messbar ist tun sich viele Therapeut*Innen auf der Suche nach geeigneten Therapiezielen schwer. Messbar wird es z.B. durch das Vertrauen bestimmten Tätigkeiten nachzugehen. Z.B. könnte ein Therapieziel sein, dass sich das Kind in der Schule in jeder Unterrichtsstunde 1x meldet, oder dass sich ein Kind traut ein anderes Kind nach einem gemeinsamen Spiel oder einer Verabredung zu fragen.

Ebenso ist es möglich, dass ein Ziel ist, dass sich das Kind zutraut, eine zeitliche Trennung der Eltern zu tolerieren (z.B. für die Zeit in der Kita)

Wie bestärke ich den Selbstwert?

Den Selbstwert von Kindern in der Therapie zu stärken ist häufig sehr individuell. Es ist immer ratsam den Inner-Drive eines Kindes zu nutzen und durch Nutzung dieses Schwellen zu übertreten. Zudem kann eine externe Figur (z.B. ein Stofftier, oder ein Glücksstein) helfen, sich auf neue Situationen einzulassen. Wichtig zu erwähnen ist, jedes Kind besitzt ein individuelles Tempo, um sich auf neue Settings einzulassen. Es ist nicht ratsam das Kind zu überfordern.

Die Anforderung an das Therapeutische Setting sollte immer so gewählt sein, dass das Kind herausgefordert wird, diese Herausforderung aber grundlegend erreicht wird.

Bei Erfüllung einer Herausforderung hilft es dem Kind zusätzlich konkret zu benennen, was es gerade geschafft hat, anstatt zu loben. (z.B. „Du konntest die Sprossenwand bis ganz nach oben klettern“).

Eine Orientierung der Therapie an den Grundbedürfnissen des Menschen ist ratsam, da die Erfüllung von Grund- und Wachstumsbedürfnissen auch das Selbstvertrauen bestärkt. Als Therapeut*In sollte man sich mit der Bedürfnispyramide und der Arbeit von Maslow zu beschäftigen. Die Eltern sollten in die Therapie einbezogen und angeleitet werden Bedürfnisse konkret zu benennen.

Über den Autor

Levi Hackbarth hat 2016 den Verein Be Social e.V. ins Leben gerufen und ist nach wie vor als 1. Vorsitzender im Namen des Vereins aktiv. Der Verein Be Social e.V. wurde ins Leben gerufen, um Kinder vor Mobbing- und Diskriminierung zu schützen und das Selbstvertrauen dieser zu steigern. Im Verein gibt es eine aktive Seelsorge. Ebenso finden Präventions- und Interventionsangebote, Jugendgruppen und Veranstaltungen statt, um sich auszutauschen.

Seit etwa einem Jahr gibt Levi Hackbarth nun vermehrt Fortbildungen an Schulen für Lehrkräfte und Pädagogen. Da er selbst als Ergotherapeut in einer Praxis tätig ist möchte er nun auch Therapeuten das nötige Know-How für den Umgang mit Mobbing und den dazugehörigen Problematiken geben.

Weitere Informationen:

www.lh-coaching.net

www.be-social.eu

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