Immer wieder erzählen Kinder, oder auch die Eltern der Kinder oder Lehrer*innen, dass es in der Schule zu Schwierigkeiten kommt. Ob Beleidigungen, physische Angriffe oder das wegnehmen von Sachen. Die Eltern sind verunsichert und die Kinder wissen mit den Angriffen nicht umzugehen.
Bei vielen Kindern, die von Mobbing betroffen sind, ist klar, dass es ein Problem im Selbstvertrauen gibt. Sie ziehen sich immer mehr zurück, beteiligen sich nicht mehr am Unterricht und trauen sich nicht sich zu melden. Teilweise entstehen Ängste vor der Schule.
Da Mobbing fast immer Auswirkungen auf das Selbstvertrauen- und somit auf die Selbstwirksamkeit des betroffenen haben ist es Aufgabe der Ergotherapie Kinder so weit zu stärken, dass Attacken nicht mehr wirksam sind. Zudem ist es wichtig, die Kinder darin zu bestärken sich wieder am Unterricht beteiligen zu können, ohne Angst vor etwaigen Angriffen oder diffamiert zu werden. Ebenso kann Ergotherapie das Umfeld beraten und umstrukturieren, um Kinder vor dauerhaften Diffamierungen zu schützen.

Qualitätsmerkmale von Mobbing

Die Definition von Mobbing ist nicht ganz klar. Je nach Quelle unterscheidet diese sich stark. Häufig wird in diesem Zusammenhang den Begriff Aggressivität verwiesen, was allerdings auch verschieden interpretiert werden kann. So verstand Selg (1974) Aggression als gerichtete Verhaltensweise, die zur Schädigung eines Organismus, oder eines Organismusurrogats führt. Schule-Markwort (1994, S.16) weist auf den lateinischen Wortstamm „aggredere“ hin. Dies bedeutet:

Herangehen sich zu begeben, sich an jemanden wenden, ihn angehen

Zu gewinnen suchen

  • Zu bestechen suchen
  • Angreifen
  • Unternehmen, beginnen, versuchen, an etwas (Werk) gehen

Aggressionen behalten demnach auch den Aspekt des Zupackens, Herangehens an etwas. Jedoch ist dieser Aspekt auch in der kindlichen Entwicklung wichtig, um sich an neues heranzuwagen, sich die Umwelt anzueignen oder sich von alten Sachen lösen zu können.

Mobbing ist Immer eine Form der Aggression. Jedoch ist nicht jede Aggression Mobbing.

Wirksame Kriterien für Mobbing:

  • Zielgerichtete Aggression gegenüber einer Person (direkt, indirekt, psychisch oder physisch)
  • Mobbingopfer und Täter*innen sind feste Personen
  • Der Zeitraum ist (relativ) langfristig, besteht mindestens ein halbes Jahr

Auswirkungen von Mobbing

Mobbing verläuft häufig in einem Kreislauf. So gibt es den Täter, das Opfer und evtl. noch Mitläufer, Zuschauer, …

Ein Täter wirkt durch zielgerichtete Aktionen auf das Opfer ein, das Opfer reagiert, was den Täter wiederum in seinem Handeln bestärkt weiterzumachen. Häufig reagieren Opfer ängstlich, aggressiv oder verunsichert.

Erfolgt keine Reaktion des Opfers erzielt der Täter keinen Erfolg und es kommt nicht zu Mobbingproblematiken.

Doch wie wirkt sich Mobbing nun auf betroffene, Täter oder gar die gesamte Gruppengemeinschaft (z.B. Schulklasse aus)?

Betroffene von Mobbing können Ängste entwickeln (Schulangst, Schulunlust, Soziale Ängste), ebenso kann es zu körperlichen Beschwerden, wie Kopfschmerz, Bauchschmerz oder Schlafproblematiken kommen. Ein Leistungsabfall ist häufig bemerkbar und das Selbstvertrauen- sowie Selbstwertgefühl und damit auch die Selbstwirksamkeit verringert sich bei permanenten Angriffen. Je nach Persönlichkeit und Intensität der Angriffe kann es zu Depressionen, Suchtverhalten (Alkohol und andere Suchtmittel) kommen. Im Schlimmsten Fall entstehen Suizidgedanken bis einen vollzogenen Suizid.

Das Profil von Täter*innen ist zumeist auch eine unsichere Persönlichkeit. Ein Mobbingopfer nimmt häufig die erste Gelegenheit an selbst zum Täter zu werden, um sich zu schützen.

So haben Mobbingtäter in vielen Fällen ähnliche Profile / Auswirkungen, wie Opfer mit Zusatz von Aggressiv-Dissozialen Verhaltensweise und einer häufigen Ablehnung von Gleichaltrigen.

Bei umfangreicheren Mobbingthematiken wirken sich die Angriffe nicht selten auf eine gesamte Klasse- oder Gruppe aus. So entstehen häufig zerstrittene Lager.

Dadurch resultiert ein Vertrauensverlust gegenüber Lehrkräften und der Peer-Group. Ebenso ist häufig ein Leistungsabfall der gesamten Klasse bedingt durch ein negatives Gruppenklima beobachtbar. Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Zivilcourage und Empathie können durch ständige Unsicherheiten auf allen Seiten nur schwer erlernt werden.

Wie erkenne ich Mobbing?

Mobbing als außenstehender zu erkennen ist nicht immer leicht. Die betroffene Gruppe traut sich nicht immer, sich gegenüber erwachsenen zu outen. Dies erfordert nicht nur viel Mut, sondern auch ein sicheres Vertrauensverhältnis gegenüber Lehrern, Eltern, Therapeuten oder anderen.

Da Angriffe teilweise versteckt und ohne Beisein der Lehrkräfte stattfinden ist auch dies nicht immer direkt erkennbar. Die Auswirkungen lassen sich aber beobachten und sollten bei Verdacht auf Mobbingproblematiken mit den verantwortlichen Lehrkräften besprochen werden. Insbesondere, wenn sich die Kinder an Vertrauenspersonen wenden, sollte man dies ernstnehmen und sich die Situation genau schildern lassen.

Ebenso gibt es versch. Fragebögen, die Schüler*innen ausfüllen können. Entweder direkt auf Mobbingthematiken (Smob-Fragebogen, Beobachtungsprotokolle, Mobbing-Umfrage aus Das Anti-Mobbing-Buch (Beltz-Verlag))

Ebenso gibt es Fragebögen, die Schulängste, sowie die sozialen Stärken und Schwächen von Schülern abfragen (AFS, ALS, SDQ-DEU Fragebogen „Belastende Situationen in der Schule“).

Interventionsmöglichkeiten

Wichtig in der Arbeit mit Kindern ist es zwischen Präventions- und Interventionsangeboten zu unterscheiden. Präventiv sollten Kinder ein sicheres Selbstwertgefühl aufbauen und gehört / ernstgenommen werden, damit die Thematik gar nicht erst entsteht. Zudem kann vorab ein Vertrauenslehrer benannt werden und das Gruppengefühl von Anfang an dahingehend bestärkt werden, dass jeder Schüler so sein darf, wie er ist.

In der Intervention geht es um die Arbeit mit akuten Mobbing-Problematiken. Hierzu kann therapeutisch ein Ziel sein das Selbstvertrauen zu stärken, die Selbstwirksamkeit zu erhöhen und die Interaktionsfähigkeit so weit zu steigern, dass alle Kinder gerne zur Schule gehen und die Chance haben ungestört am Unterricht teilzunehmen. 

Da die betroffenen, aber auch die Täter*innen häufig Schwierigkeiten im Umgang mit dem Selbstvertrauen entwickeln oder haben kann dies ein Ziel für die Therapie sein. Ebenso sind der Leistungsabfall, Konzentrationsschwierigkeiten, Selbstvertrauen, oder andere Auffälligen z.B. das sich ein Kind nicht mehr im Unterricht meldet häufig ein Anliegen der Klienten oder dessen Umfeldes innerhalb der Ergotherapie.

Welche Klienten kommen in die Praxis?

In der Praxis vertreten sind häufig beide Seiten. So kommen Mobbingopfer, als auch Täter in die Praxis mit individuellen Anliegen. Dennoch ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, das auch Mobbing Ursache oder Verstärker für die Kernproblematik und das bestehende Anliegen der Klient*innen sein kann.

Eine Hospitation in der Schule, ein Gespräch mit Lehrer*innen und die Einbeziehung der Eltern kann helfen Aufschluss über die Situation und die logischen therapeutischen Schritte zu geben.

Innerhalb der Schulen gibt es versch. Modelle, die von außenstehenden, aber auch von Lehrkräften durchgeführt werden können. 

Eine Aufgabe der Ergotherapie kann es sein Schüler, Eltern und Lehrkräfte zu beraten. Häufig ist es sinnvoll ein Mobbingtagebuch zu führen, indem der betroffene die Angriffe dokumentiert. Damit hat man zum einen Beweis, den Schulen häufig ernstnehmen, wenn viele Einträge vorhanden sind, zum anderen haben Kinder eine Möglichkeit, sich das Erlebnisse „von der Seele zu schreiben“. Ebenso können Verteidigungsstrategien entwickelt werden. 

Häufig sind genau die Kinder betroffen, die sowieso schon einen Therapiebedarf haben, da diese Kinder eine ohnehin oft geschwächte Selbstwahrnehmung haben.


Über den memole Gastautor

Levi Hackbarth hat 2016 den www.lh-coaching.net

– die möglichen Zusammenhänge

Visuelle Aspekte in der LRS Diagnostik und Therapie für Logopäd*innen und

Ergotherapeut*innen

Von all den Schulanfänger*innen, die nach den Sommerferien noch mit viel Elan in den Schulalltag gestartet sind, bleiben in der Regel nach dem ersten Schulhalbjahr nur noch ca. 50% der Kinder übrig, die mit Freude zur Schule gehen.

(Quelle: “Fehler muss man sehen” von Dr.med. Heike Schuhmacher).

Bei vielen dieser Kinder wird bald klar, dass das Erlernen von Lesen und Schreiben schwerfällt. Sie können sich nur schwer konzentrieren und machen nur sehr langsam Fortschritte. Mal ist es auffälliger, mal weniger auffällig – aber oft fragst du dich vielleicht, ob das Kind eigentlich gut sieht?

In der Regel wurden die Kinder schon augenärztlich untersucht, ohne Befund. Das heißt, es bestehen keine Augenerkrankungen und die Augen erreichen eine ausreichende Sehleistung, wenn notwendig auch mit einer Korrekturbrille. Im Laufe der Zeit, wenn die Schwierigkeiten bestehen bleiben, wird dann oft die Diagnose „LRS“ gestellt.

Und trotzdem werden die Eltern und aufmerksame Therapeut*innen den Verdacht nicht los, „dass etwas mit den Augen nicht stimmt “. Eine ausführliche visuelle Analyse zeigt dann in fast allen Fällen, dass Störungen der Sehfunktionen vorliegen. Und gutes Sehen ist so viel mehr als nur eine gute Sehleistung! Lesen, Schreiben, von der Tafel Abschreiben sowie ausdauernde Konzentration sind Leistungen, die wir einfach als gegeben annehmen, wenn es denn klappt. Aber damit das klappt, muss ganz vieles optimal zusammenspielen.

Wie kommt denn eigentlich gutes Sehen zustande?

Die Augen müssen nicht nur einzeln gut funktionieren, sondern sie müssen auch als Team zusammenarbeiten und verschiedene Aufgaben erfüllen: Das Augenpaar muss zum Beispiel gemeinsam flüssige Augenbewegungen in alle Richtungen ausführen können. Auch präzise Blicksprünge müssen gemeinsam exakt ausgeführt werden können.

Beispiele sind das Lesen und Abschreiben. (Augenfolgebewegungen, Blicksakkaden) Eine weitere Aufgabe ist das Scharfstellen. Wie bei einem Fotoapparat muss das Auge sich auf Objekte in unterschiedlicher Entfernung immer wieder neu fokussieren. Auch hier gibt die Schule ein wunderbares Beispiel her, nämlich den Blickwechsel von der Wandtafel zum Heft und umgekehrt. (Akkommodation)

Dann müssen die Augen gemeinsam in der Lage sein, Objekte in verschiedener Entfernung fixieren zu können. Dazu muss sich das Augenpaar auf unterschiedliche Winkel einstellen, zum Beispiel von einer Vorlage zum Bildschirm oder vom Schreibheft zur Wandtafel. (Vergenzen)

Dem Gesehenen muss aber auch eine Bedeutung gegeben werden. Wir müssen dem korrekt erfassten Objekt einen Sinn geben um die so erhaltene Information entsprechend verwerten zu können. Wenn du zum Beispiel jedes Mal neu lernen müsstest, wozu eine Tasse dient oder dass der auf dich zu fliegende Ball gleich auf deiner Nase landen wird, wäre das sehr anstrengend. (Wahrnehmung)

Bei einigen Kindern stimmt die visuelle Mitte nicht mit der körperlichen Mitte überein, die Selbstwahrnehmung ist dadurch permanent in Unruhe. Hier sind typische Schwierigkeiten z. B. das Unterscheiden von d/b, q/p (ist der „Bauch“ des Buchstabens rechts oder links vom Strich?). Das gute Sehen besteht aus all diesen Teilbereichen, die flüssig ineinandergreifen. Gutes Sehen in dieser Definition ist unerlässlich für eine gute Konzentrationsfähigkeit. Normalerweise passiert das alles ganz unbewusst. Anhand der Beispiele aus der Schule kannst du dir jetzt bestimmt vorstellen, was für eine Herausforderung der Schulalltag an das visuelle System stellt.

Dass ein LRS Training bei Vorliegen dieser Defizite nicht so erfolgreich sein kann wie gewünscht wird jetzt vermutlich verständlich. Ein Defizit in einem oder mehreren dieser Teilbereiche kann durch Störungen in der kindliche Entwicklung während der Schwangerschaft, des Aufrichtungsprozesses oder spätere Einflüsse entstanden sein. Gutes Sehen kann durch ein Visualtraining bei einem Funktionaloptometristen erlernt und erlangt werden. Bei vielen Schulkindern kann damit das Lesen und Schreiben deutlich verbessert und deutlich anstrengungsfreier werden.

Symptome:

  • Die betroffenen Kinder sehen die Buchstaben z.B. verschwommen, tanzend, doppelt, mit wenig Kontrast oder berichten von anderen Phänomenen. Die Kinder werden diese Wahrnehmungen in der Regel aber nicht von sich aus äußern, denn für das Kind ist dieser Zustand normal und es glaubt, auch alle anderen Menschen sehen so.
  • Typisch ist auch eine kurze Konzentrationsspanne.
  • Kopfschmerzen, gerötete Augen und Lichtempfindlichkeit sind nicht selten.
  • Bei vielen betroffenen Kindern ist die Schreibhaltung auffällig. Kopfdrehung, Körperdrehung oder
  • Verschieben des Blattes zu einer Seite können typische Kompensationsstrategien sein.
  • Auch das Abdecken eines Auges mit einer langen Haarsträhne kann beobachtet werden.

Schulkinder, die ihre Sehfunktionen erfolgreich trainieren, kommen an einem individuellen Punkt des Trainings manchmal strahlend an und erzählen, dass sie freiwillig ein Buch gelesen haben und was für tolle Geschichten darin erzählt wurden.

Solche Momente sind besonders wertvoll und sorgen für Freude bei Kind, Eltern und Trainer*innen. Ein wichtiger Schritt ist getan! Kompetente Ansprechpartner*innen für das Thema Augen und LRS sind der / die Funktionaloptometrist*in.

Eine*n Funktionaloptometrist*in in deiner Nähe findest du unter:

wvao.org/expertenfinden-suche/ oder bei boaf-eu.org/fosearch

Über die Gastautorin Christine Ambühl

Christine ist 1967 in der Schweiz geboren und hat 1987 ihre vierjährige Ausbildung zu Augenoptikerin erfolgreich abgeschlossen. Seither haben sie die Themen Augen und Sehen nie mehr losgelassen und sie konnte in ihrer langjährigen Berufspraxis immer wieder ihr Wissen erweitern. Die letzten 18 Jahre als Augenoptikerin hat sie in Gstaad, dem berühmten Kurort im wunderschönen Berner Oberland, gearbeitet.

Ende 2012 führte sie dann die Liebe nach Deutschland, genauer nach Mülheim an der Ruhr. In Mülheim hat sie in einem Funktionaloptometristen den perfekten Mentor gefunden, um ihr Wissen enorm zu ergänzen. Schon lange war ihr klar, dass der ideale Sehprozess nicht isoliert von anderen Funktionen und Gegebenheiten unseres Körpers gelingen kann und dass gutes Sehen nicht alleine von der Sehleistung der Augen abhängt. Den hochkomplexen Sehprozess und was alles damit zusammenhängt erlebt und vermittelt sie seither ganz individuell im Visualtraining mit einem Klientel, das hauptsächlich aus Grundschulkindern besteht. Körperübungen gehören für sie zum Visualtraining, dafür hat sie verschiedene Fortbildungen besucht.

Die Weiterbildung im Bereich der sensorisch integrativen Mototherapie SIM hat ihr buchstäblich die Augen geöffnet, vor allem im Bereich der persistierenden frühkindlichen Reflexe und plötzlich haben sich ganz viele bisher noch offene Fragen geklärt.

Die Schulung zum Tomatis® Practitioner und Consultant hat ihr zusätzlich die Welt des (zu)Hörens neu erschlossen und passend dazu hat die Fortbildung zum Thema Gleichgewicht bei Dorothea Beigel das Ganze abgerundet.

Immer wieder stellte sie fest, dass ein ganzheitliches Entwicklungstraining, früh genug durchgeführt, vermutlich ganz viel Kummer und Schulfrust hätte vermeiden können. Deshalb hat sie das S I N E Präventions – Konzept entwickelt, um diese Lücke in der Prävention von Schulproblemen und Früherkennung von möglichen Problembereichen zu füllen. Aber auch bei bereits bestehenden Schulproblemen greift ihr ganzheitliches Konzept. Sie gibt ihr Konzept in Onlinecoachings an Fachpersonen und Eltern weiter. Je mehr Menschen diese Zusammenhänge verstehen, um so mehr Kindern kann geholfen werden.

Birthe Ahrens ist Diplom-Pädagogin, Tomatis® Professional sowie Leiterin eines Tomatis® Zentrums in Köln und Dozentin eines memole Onlinekurses. 

Sie lebt im Rheinland am Rande von Köln und ist in ihrer Freizeit viel mit ihren beiden Hunden und ihrem Pflegepferd in der schönen Natur der Villewälder südlich von Köln unterwegs. Außerdem verbringt sie viel Zeit in ihrer zweiten Herzensheimat am Tegernsee.

 

 Bei der Tomatis Methode handelt es sich um eine Pädagogik des Zuhörens. Damit meinen wir die Fähigkeit, das Ohr aufmerksam zu verwenden, um zu lernen und zu kommunizieren und zwar auf eine Weise, die nicht emotional störend ist. Zuhören ist im Gegensatz zu Hören aktiv gemeint. Der Mensch „will hören“.

Diese Bereitschaft definieren wir auf 2 Ebenen

Auf der emotionalen Ebene geht es um die Fähigkeit, die Botschaft wirklich zu akzeptieren, also die eingehende Nachricht selbst gut regulieren zu können. Oft hat der Mensch sich einen Vorhang zugelegt, der ihn vor dem Eindringen der Botschaften seiner Umgebung schützt. Das ist eine natürliche Schutzfunktion des Gehirns, jedoch kann es auch zu vielen Problemen führen, wenn sich dieser Vorhang verdichtet und verfestigt hat. Dann fühlt der Mensch sich von seiner Außenwelt immer mehr abgeschnitten. Kommunikations- und Lernprozesse sind schwierig.

Auf der kognitiven Ebene geht es um die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit bewusst auf eine Botschaft zu lenken, um sie zu verarbeiten und zu integrieren. Das ist für Lern- und Entwicklungsprozesse besonders wichtig.

 

Den Vorhang öffnen

Wir begleiten die Menschen mit der Tomatis®-Methode dabei, ganz sanft und langsam in einen größeren Zustand der Bereitschaft zu kommen, also den Vorhang wieder zu öffnen. Unsere Technik bereitet den Menschen auf das Ankommen der Botschaft auf sanfte Weise vor. Mit der häufigen Wiederholung kann der Mensch sich immer besser auf hereinkommende Botschaften einlassen, ohne dass er mit deren emotionalen Regulierung belastet ist. Die Hemisphären können ihren jeweiligen Spezifikationen leichter nachgehen, Entwicklung und Lernprozesse erfordern weniger Aufwand. Energie, die vorher in der Regulierung verloren ging, kann wieder anders genutzt werden. Der Mensch fühlt sich insgesamt wohler.

 

Ausbildung und Vision

Nachdem ich mit Anfang 20 kurz in die Immobilienwirtschaft herein geschnuppert habe, um zu merken, dass dies nicht mein Weg ist, habe ich mein Studium der Erziehungswissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel begonnen. Heute bin ich dankbar für meine kaufmännische Grundausbildung, denn als Unternehmerin konnte ich dadurch so manche Hürde schneller und leichter nehmen, als es wohl ohne diese kaufmännischen Fähigkeiten der Fall gewesen wäre.

Meine Entscheidung für das Pädagogikstudium entsprang aus dem tiefen Wunsch, mit Kindern zu arbeiten und sie in der Entfaltung ihrer ganz individuellen Persönlichkeit, basierend auf ihrem ebenso einzigartigen Lebensbeginn zu unterstützen. Wertvolle Erkenntnisse aus meinem Studium über kindliche Entwicklung sind etwa, wie wunderbar eine gesunde kindliche Entwicklung aus sich selbst heraus erfolgen kann, wenn die Bedingungen der Umgebung dafür förderlich sind. Und dass manchmal weniger Anleitung mehr ist, damit sich das Kind individuell und frei entfalten kann. Und dass jedes Kind sich in seinem ganz eigenen Tempo und Rhythmus und nach seinen Prioritäten entwickelt. Die Bedeutung der ersten Bindungsbeziehungen im Leben eines jeden kleinen Menschen habe ich zum Thema meiner Diplomarbeit gemacht und lerne bis heute nie aus über die große Bedeutung der prä-, peri- und postnatalen Bindungserfahrungen für die lebenslange Entwicklung eines Menschen. Von der Tomatis Methode wusste ich damals noch genauso wenig, wie davon, dass genau dieses Wissen für mich und meine tägliche Arbeit einmal so wichtig werden würde.

 

Viele kleine Schritte

Nach meinem Studium eröffnete ich zusammen mit Weggefährten eine kleine Kita in Düsseldorf mit der Vision, dort mein pädagogisches Konzept vom liebevoll begleitetem Wachsenlassen umzusetzen. Dies gelang uns auch gut, jedoch spürte ich, dass mein Weg noch in eine etwas andere Richtung weiter gehen will. Ich entdeckte die Tomatis Methode und probierte sie selbst aus. Absolut fasziniert von dem, was sich mir zeigte und was mir an Erfahrungen berichtet wurde, begann ich die Ausbildung zum Tomatis Professional. Ich sammelte mit der Zeit immer mehr Erfahrungen mit Kindern im Alter von wenigen Monaten bis hin zu Jugendlichen und Erwachsenen im Alter von über 60 Jahren. Und wie es der Zufall so will, gehören nun meine Lieblingsthemen aus dem Studium – die Beobachtung von kindlicher Entwicklung in ihrem ganz eigenem Rhythmus und ihre primären Beziehungserfahrungen fest zu meinem beruflichen Alltag.

 

Jeder hat sein eigenes Tempo

Die Selbständigkeit zeigte sich zwar schon recht früh als für mich passendes Arbeits- und Lebensmodell, jedoch war es in der ersten Zeit eine große Herausforderung, zumal ich alles auf eine Karte gesetzt habe mit einem einzigen Standbein: meinem eigenen Tomatis Institut. Ich habe den Zweifeln nie nachgegeben, sondern weiter gemacht und darauf vertraut, dass auch schlechte Monate vorbei gehen. Mein Gefühl hat mir immer gesagt, dass dies meine Aufgabe hier ist. Nun kann ich sagen, dass mein Durchhalten sich wirklich gelohnt hat. Für all die kleinen und großen Menschen, die ich auf ihrem Weg zu sich selbst und zu ihrem Potenzial begleiten darf… und für mich selbst, die ich in jedem einzelnen Prozess so viel Wertvolles lernen darf. Heute bin ich sehr dankbar, ganz in meinem individuellen Rhythmus einer Arbeit nachgehen zu können, die ich liebe und die den Menschen hilft, so viel in sich selbst zu entdecken und zum Vorschein zu bringen, was hier noch sanft schlummert. Wie der Begründer unserer Methode Alfred Tomatis es schon sagte: „Wir behandeln Kinder nicht, wir wecken sie auf!“

 

Herausforderungen und Wachstumsmöglichkeiten

In 2020 zeigte sich, dass meine Erfahrungen aus den Vorjahren mit dem begleiteten Zuhause-Hören meiner Klienten sich auszahlten. Per Video-Call oder Telefon konnte ich meine Klienten, die meine Technik nach Hause bekamen, bestmöglich begleiten und ihnen auch in Krisenzeiten ein individuelles Hörerlebnis mit wunderschönen Ergebnissen ermöglichen.

Neu entwickelt habe ich im letzten Jahr meinen monatlichen Online-Infoabend, bei dem wir uns in einem Video-Raum treffen, ich einen kleinen fachlichen Einblick zu wechselnden Themen gebe und dann noch Zeit für Fragen und Austausch ist. Diese kleinen gemütlichen Runden machen mir viel Spaß!

 

Weitere Informationen und Qualifizierung

Der Online-Kurs bei memole gibt dir einen fundierten und runden Überblick über die Tomatis® Methode, ihre Besonderheiten, die Technik, wissenschaftliche Erkenntnisse u.v.m.

Willst du dich zu einzelnen Fachthemen oder zum genauen Ablauf weiter informieren, komme gerne zu meinem monatlichen kostenlosen Online-Infoabend. Termine findest du auf www.birthe-ahrens.de.

Die ganze Qualifikation kann man dann bei Tomatis Développement S.A. machen. Das geht seit 2020 auch online und in verschiedenen Sprachen. Weitere Informationen sowie eine Landkarte mit allen Professionals in deiner Nähe findest du auf www.tomatis.de

Zuletzt empfehle ich dir mein liebstes Buch zum Einstieg in diese und andere tolle Methoden im Jahr 2015 geschrieben vom amerikanischen Psychiater Norman Doigde. Es heißt „Wie das Gehirn heilt. Neueste Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften.“ 

In diesem memole Interview erfährst du, wie Logopädin Christine Bieh zu ihrer Ausbildung gekommen ist und warum sie mit dem Weiterbilden einfach nicht aufhört.

memole Interview mit Dozentin Christine Bieh

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Shownotes:

Hier geht es direkt zum Kurs von Logopädin und memole Dozentin Christine.

Schon wieder wird in dieser Woche eine neue Leitlinie veröffentlicht….

aber eine, die die Diagnostik und Behandlung von Kindern mit Rechenschwierigkeiten wirklich weiterbringt!

 

 

Denn “3–7 % der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen leiden unter einer Dyskalkulie. Ausgeprägte und andauernde Probleme im Rechnen führen zu deutlichen Einschränkungen in Schule, Beruf und Alltag und erhöhen das Risiko für komorbide psychische Störungen. In der Praxis werden verschiedene Methoden zur Diagnostik und Behandlung eingesetzt, deren Evidenz unklar ist.” So wird die Ausgangslage von Mag. rer. nat. Stefan Haberstroh und Prof. Dr. med. Gerd Schulte-Körne von der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München beschrieben.

 

 

Wie haben die Autoren untersucht?

Die systematischen Literaturrecherchen erfolgten von April 2015 bis Juni 2016 in zahlreichen Datenbanken. Die Studiendaten wurden metaanalytisch ausgewertet. Die abschließende Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie der Rechenstörung wurden von 20 Verbänden verabschiedet.

 

Herausgekommen ist folgendes

  • Diagnostik
    • Eine Diagnose soll nur bei unterdurchschnittlichen Mathematikleistungen unter Berücksichtigung relevanter Informationen aus Anamnese, Exploration und klinischer Untersuchung gestellt werden.
  • Behandlung
    • Die Behandlung ist an den Problemschwerpunkten in Mathematik auszurichten. Die durchschnittliche Effektstärke aller Interventionsstudien war 0,52 (95-%-Konfidenzintervall [0,42; 0,62]).
    • Die Behandlung soll frühzeitig im Grundschulalter beginnen, von ausgebildeten Fachkräften im Einzelsetting durchgeführt werden und komorbid auftretende Symptome und Störungen berücksichtigen.
  • Besonders wichtig für die Behandler
    • Bei Vorliegen einer Rechenstörung besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Lese-Rechtschreib-Störung, für eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung sowie für internalisierende (wie Angst, Depression) und externalisierende (beispielsweise aggressiv, regelverletzend) Störungen.

Schlussfolgerung

Symptomspezifische Interventionen, bei denen insbesondere mathematische Inhalte trainiert werden, zeigen die besten Ergebnisse. Forschungsbedarf besteht an hochwertigen Interventionsstudien und – für ältere Jugendliche und Erwachsene – an geeigneten Tests und Förderprogrammen.

 

Den kompletten Artikel aus dem Ärzteblatt und die Leitlinie findet du hier.

Als PDF zum Herunterladen: Komorbidität der Rechenstörungen

 

Dyslexietherapie

 

 

 

 

 

Wir kennen es alle: Gerade als Praxisgründer*in ist jeder Tag viel zu kurz. Wie gestalte ich meine Therapien? Welches Diagnostikmaterial verwende ich für welchen Therapiebereich? Möchte ich mich auf gewisse Patienten*innen spezialisieren und bestimmte Störungsbilder anlocken? Dann kommt auch noch der finanzielle Bereich dazu: Wie werde ich Herr bzw. Frau der (finanziellen) Lage und welche Abrechnungssoftware eignet sich am besten für meine Bedürfnisse? Hinzu kommt die Angst irgendetwas falsch zu machen oder gegen verschiedene Gesetze und Richtlinien zu verstoßen ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Das trifft bei uns Heilmittelerbringern*innen vermutlich am ehesten auf den Bereich Werbung zu. Möglicherweise hast du es noch von deiner Ausbildung im Hinterkopf: „Du darfst keine Werbung machen!“ Das stimmt jedoch gar nicht. Du darfst auch als Heilmittelerbringer*in Werbung betreiben, wenn du gewisse Punkte berücksichtigst. Aber was genau gilt es zu berücksichtigen?

Die Basis der Praxiswerbung

Im Bereich der Werbung gelten für dich als Heilmittelerbringer*in in Deutschland grundsätzlich zwei Gesetze. Diese zwei Gesetze sind das HWG, das Heilmittelwerbegesetz, und das UWG, das Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Beide zielen darauf ab irreführende Werbung zu verhindern und deine Kunden*innen vor falschen bzw. vagen Behauptungen und Aussagen zu schützen. Die beste Hilfe zur Einschätzung, ob deine geplante Werbung nun irreführend ist oder nicht, ist dein eigener gesunder Sachverstand. Frage dich einfach selbst, ob das was du in der Werbung anpreist unter allen Umständen eintrifft oder ob das nur unter den günstigsten Bedingungen möglich ist? Deine Patienten*innen müssen sich auf die Aussage deiner Werbung zu 100% verlassen können.

Hier ein Beispiel, wie du es NICHT machen solltest:
Du möchtest dein Stottern endlich los werden? Dann lass mich dir helfen. Nach 5 Sitzungen gehört dein Stottern der Vergangenheit an.

Diese Werbung wäre definitiv irreführend, da damit versprochen wird, dass deine zukünftigen Patienten*innen nach 5 Sitzungen – komme was wolle – stotterfrei sind. Aus deiner persönlichen Erfahrung weißt du selbst, dass diese Garantie schlichtweg nicht gegeben werden kann und somit auch nicht in der Werbung verwendet werden darf. (§3 Abs. 2 HWG)

Ein weiteres Beispiel der Irreführung ist es, wenn unwahre oder täuschende Angaben gemacht werden. Spezielle Therapiemethoden oder Behandlungsabläufe, welche keiner Aus- oder Weiterbildung zugrunde liegen, dürfen daher nicht für Werbung verwendet werden. Zukünftige Patienten*innen könnten dadurch fälschlicherweise davon ausgehen, dass das dafür nötige Know-How vorhanden ist.

Weise deine Gutachten, Zeugnisse und Empfehlung vor

Wenn du mit deinen Dokumenten werben möchtest, musst du laut §6 HWG nachweisen, dass diese von wissenschaftlich oder fachlich berufenen Personen bzw. Instituten (Akademien) ausgestellt worden sind. Im Laufe deiner Karriere wirst du bereits einige Gutachten, Zeugnisse oder Empfehlungen und Bescheinigungen erhalten haben. Indem du diese vorweist und beweist, dass sie von wissenschaftlich oder fachlich anerkannten Personen oder Instituten ausgestellt wurden, kannst du sie auch für Praxiswerbung nutzen.

Bei Erwähnung solcher Dokumente in Werbetexten gilt es daher alle nötigen Informationen wie Ersteller*in mit Namen und Adresse sowie dem Ausstellungsjahr anzugeben. So können auch deine Patienten*innen sicher sein, dass du das Wissen, welches z.B. durch ein Zertifikat bestätigt wird, auch tatsächlich erworben hast. Du schaffst somit nicht nur Vertrauen, sondern kannst dich auch von deinen Mitbewerbern*innen abheben.

Warum hängst du nicht Fortbildungsbescheingungen und Zertifikate in deiner Praxis aus? Viele Ärzt*innen machen das genau so.

 

Fazit: Praxiswerbung als Heilmittelerbringer*in ist nicht schwer

Wie du siehst, ist Werbung für deine Praxis als Heilmittelerbringer*in nicht so kompliziert, wie es der Keine-Werbung-Mythos erahnen lässt. Das Wichtigste ist: Du darfst Werbung betreiben. Jene Punkte, die du laut Gesetz berücksichtigen musst, kannst du eher als gute Manieren zusammenfassen. In den letzten Jahren hat sich viel getan und auch die Gesetze sind liberaler und leichter anwendbar geworden. Du musst also keine Angst mehr vor dem Betreiben von Praxiswerbung haben. Halte dich im Bereich Praxiswerbung einfach an folgende drei Grundsätze:

  1. Gib nicht vor jemand zu sein, der/die du nicht bist.
  2. Versprich nichts, was du nicht zu 100% halten kannst.
  3. Und beweise dein Wissen und deine Fähigkeiten umgehend.

Wenn du das befolgst, bist du auf einem guten Weg zur gesetzeskonformen Praxiswerbung.

Hier findest du die Gesetzestexte

Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb

Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens (Heilmittelwerbegesetz – HWG)

Direktzugang zum Patienten in der Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie durch die Ausbildung zur sektoralen Heilpraktikerin/ zum sektoralen Heilpraktiker

 

Der Vorteil der Ausbildung

Als sektoraler Heilpraktiker hast du direkten Zugang zu den Patienten ohne ärztliche Verordnung. Für deine Leistungen brauchst du keine Umsatzsteuer abzuführen, weil es sich eindeutig um Heilbehandlungen handelt.
Die Behandlungen werden auf Selbstzahlerbasis durchgeführt, ähnlich wie bei der Behandlung von Privatpatientinnen/Privatpatienten. Die Leistungen einer sektoralen Heilpraktikerin/ eines sektoralen Heilpraktikers für Physiotherapie (abgerechnet nach dem Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker – „GebüH“) werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Insoweit handelt es sich um Selbstzahlerleistungen.

Kosten der Ausbildung

Die Zusatzausbildung dauert in der Regel etwa 60 Unterrichtsstunden und kostet etwa 600€.

Kostenerstattung der Behandlung

Die Patientin/ der Patient kann eine entsprechende Kostenerstattung bei ihrer/seiner Privatversicherung (soweit der Vertrag Heilpraktikerleistungen als erstattungsfähig berücksichtigt) oder bei einer privaten Zusatzversicherung für Heilpraktikerleistungen geltend machen. Am besten deine Patientin/ dein Patient fragt vor der Behandlung bei seiner privaten Krankenkasse bzw. bei der Zusatzversicherung nach.

Bisherige Regelung

Momentan gelten von Bundesland zu Bundesland immer noch unterschiedliche Regelungen und Verfahren zur Erlangung des sektoralen Heilpraktikers. Dies führt zu holprigen Zulassungsbedingungen und rechtlichen Grauzonen in der Handhabung.

Änderungen für Logopädinnen/Logopäden und Ergotherapeutinnen/ Ergotherapeuten bringt der Sektorale Heilpraktiker (eingeschränkt auf den jeweiligen Teilbereich)

Laut Heilpraktikerverband haben jetzt zwei Urteile bestätigt, dass die Ausübung der Heilpraktikertätigkeit auch Logopädinnen/ Logopäden und Ergotherapeutinnen/ Ergotherapeuten erlaubt wird, so sie denn ausschließlich in ihrem Fachgebiet bleiben.

  1. Behandlung des Patienten ohne ärztliche Verordnung
  2. Direkte Kontaktaufnahme mit dem Patienten
  3. Eigenverantwortliche Diagnose
  4. Erstattungsmöglichkeit durch PKV und HP-Zusatzversicherung
  5. Umsatzsteuerbefreiung bei Heilbehandlung

Änderungen Prüfung

Es gibt eine bundesweit einheitliche Heilpraktikerüberprüfung durch den Amtsarzt. Das heißt, bundesweit müssen nun schriftliche und mündliche Prüfungen mit hohem medizinischen Niveau abgelegt werden. Sowohl theoretische Kenntnisse, als auch praktische Fähigkeiten im Bereich der Anamnese, Untersuchung und Laborbefundauswertung müssen nachgewiesen werden. Dabei rückt der Schutz der einzelnen Patientin/ des einzelnen Patienten deutlicher als bisher in den Blick.

Gesetzestext

Link zum Orginialtext der Leitlinien im Bundesanzeiger

Urteile zu diesen Änderungen

aus Baden-Württemberg zu
Ergotherapie
Logopädie

Julia ist Berufsanfängerin und fragte mich kürzlich, ob sie denn jetzt zwingend einen „Fachtherapeuten machen” müßte, um in der Arbeitswelt ihrer neurologischen Klinik bestehen zu können. Den Titel „Fachtherapeutin“ zu tragen fand sie cool. Ich habe mir das mal etwas gründlicher angeschaut.

Viele Fortbildungsangebote für Therapeuten

In Deutschland gibt es eine große Anzahl an Fortbildungsinstituten. Einige bestehen schon seit Jahren und behaupten sich auf dem Markt mit vielseitigen Angeboten. Andere kommen neu dazu und es gibt auch Akademien die schließen, da sie möglicherweise ihre Zielgruppe nicht erfolgreich erreicht haben. Die Titel der Weiterbildungen sind sehr unterschiedlich gestaltet. Da ist häufig gar nicht klar, was man von dem Seminar erwarten kann. In letzter Zeit werden immer wieder Fortbildungen „Fachtherapeut/in XY“ genannt.

Die Fachtherapeutin/ der Fachtherapeut

Der Titel erweckt die Erwartung, dass es sich hier um eine besonders hochwertige und umfangreiche Aus- oder Weiterbildung handelt. Möglicherweise qualifiziert sich der Teilnehmer dazu neue Positionen mit der Krankenkasse abrechnen zu können? Leider ist es nicht so. Der Name „Fachtherapeut/in“ ist ein ungeschützter Begriff. Jede Akademie kann jede beliebige Fortbildung so nennen! Weder ein bestimmter Stundenumfang, noch die Qualifikation der Dozenten oder eine mögliche Abschlussprüfung sind bindend.

Die beste 8-Schritte-Prüfung für deine Weiterbildung

Da lohnt es sich einen genauen Blick auf die Daten der Fortbildungen mit dem Titel „Fachtherapeut/in“ zu werfen

  1. Welche Dozentinnen und Dozenten gestalten die Inhalte der Veranstaltung? Warum sind diese gerade besondere Experten?
  2. Was sind die genauen Inhalte der Veranstaltung?
  3. Wie werden die Inhalte vorgetragen?  Ist es ein Vortrag, ein Online-Kurs, ein Hands-on-Workshop?
  4. Gibt es verbindliche Informationen über die zeitliche Verteilung der Unterrichtseinheiten? Z.B. an welchen Wochenende wo/ wann /wie lange?
  5. Wie wirst du beim Lernen unterstützt? Welche anderen Lernmittel werden dir zur Verfügung gestellt? Unterstützen dich die Dozenten auch in der Zeit zwischen den Veranstaltungen?
  6. Wo findet die Veranstaltung statt? Ist es praktisch dorthin zu reisen? Wo kann ich übernachten?
  7. Wieviel kostet die Fortbildung? Wann ist der Betrag fällig? Kann ich in Raten zahlen? Kann ich meinen Bildungsgutschein anwenden?
  8. Wieviele Fortbildungspunkte gibt es?

Die praktische Übersicht über Ausbildungsangebote zur Fachtherapeutin /zum Fachtherapeut (Download)

In der folgenden Übersicht habe ich die viele Informationen über die „Fachtherapeuten“ zusammengetragen (Stand März 2018).

Fachtherapeuten im Gesundheitswesen 2018

Fachtherapeuten in der Logopädie, Ergotherapie und Physiohterapie. Wichtige Faktoren und Eckdaten zusammengefasst von memole®

Vielleicht weckt ja ein Angebot dein Interesse und du entscheidest dich doch, vielleicht doch auch wegen eines „schönen Titels“ für eine Weiterbildung zum Fachtherapeuten /zur Fachtherapeutin? Oder du hast Ergänzungen zum Text oder zu Übersicht?

Dann schreib mir gerne!

Hast du dich auch schon gefragt, ob dich die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) betrifft?

Am 25. Mai 2018 tritt die einheitliche europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Die Verordnung soll dem Datenschutz dienen, aber auch wirtschaftliche Interessen berücksichtigen.

Dies ist natürlich mit einem höheren Aufwand verbunden, denn die Anforderungen an die Datenschutzdokumentation und die Nachweis- und Rechenschaftspflichten steigen und erhöhen die Verwaltungsaufwand. Um die Umsetzung zu erzwingen sind empfindlich hohe Bußgelder zu erwarten, falls man sie nicht umsetzt.

Was ist das Ziel der DSGVO ?

Ganz knapp zusammengefasst ist die DSGVO ein Schritt zu einer EU-einheitlichen Regulierung. Sie führt jedoch nicht unbedingt zu einer Vereinfachung des Datenschutzrechts.

Wann ist der Stichtag?

Die DSVGO ist bereits in Kraft getreten, entfaltet aber erst nach 2 jährigen Übergangszeit ihre Wirkung am 25.05.2018.

Was ist mit den bisherigen Prinzipien des Datenschutzes?

Die bisherigen Grundprinzipien des Datenschutzes bleiben erhalten und werden im Gesetz besonders betont. Man muss sich diese Prinzipien als die Grundlagen des Gesetzes vorstellen, die bei der Auslegung unklarer Fälle herbeigezogen werden. Dazu gehören entsprechend Art. 5 DSGVO vor allem:

  1. Datenschutzprinzipien: Rechtmäßigkeit du darfst Daten nur entsprechend dem Gesetz verarbeiten, was an sich selbstverständlich ist.
  2. Transparenz: Die Verarbeitung personenbezogener Daten muss für Betroffene nachvollziehbar sein, was zum Beispiel eine verständliche und vollständige Datenschutzerklärung erfordert. Die Informationspflichten wurden mit Art. 13 und 14 DSGVO erhöht und erfordern beispielsweise einen Hinweis auf die Rechtsgrundlage der Verarbeitung.
  3. Verbot mit Erlaubnisvorbehalt: Das bedeutet, dass jede Verarbeitung personenbezogener Daten verboten ist, außer wenn sie per Gesetz erlaubt wurde.
  4. Zweckbindung: Das Gebot der Zweckbindung soll sicherstellen, dass Daten nur für den Zweck verarbeitet werden, für den sie erhoben worden sind. Das heißt man muss sich bereits zu Beginn von Verarbeitungsprozessen Gedanken machen, wofür die Daten benötigt werden und dies dokumentieren. Eine nachträgliche Zweckänderung ist nur zulässig, wenn sie „mit dem ursprünglichen Zweck vereinbar ist“ (Art 6 Abs. 4 DSGVO).
  5. Datenminimierung: Unternehmen müssen die Verarbeitung von personenbezogenen Daten auf das dem Verarbeitungszweck notwendige Maß beschränken. Eine „Datenerhebung auf Vorrat“ ist verboten (Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO).
  6. Integrität und Vertraulichkeit: Daten müssen durch technische und organisatorische Maßnahmen vor unbefugter Verarbeitung, Zerstörung, Veränderung oder Verlust geschützt werden.

Was ist in Therapiepraxen besonders zu beachten?

Die wichtigste Neuerung im EU-Recht ist die Stärkung der Rechte von Privatpersonen. Dabei gibt es vier Punkte, die Therapiepraxen (aber auch Arztpraxen) in ihren organisatorischen Abläufen berücksichtigen sollten:

  1. Die Einwilligung: Vor jeglicher Datenverarbeitung muss beim Betroffenen eine Einwilligung eingeholt werden. Das gilt auch für Patienten. Am einfachsten lässt sich dies über den Anamnesebogen regeln. Allerdings gilt: Wird die Einwilligung wie hier in Zusammenhang mit anderen Erklärungen/Sachverhalten eingeholt, muss sie deutlich von diesen abgegrenzt werden, damit der Patient erkennt, worin er einwilligt. Außerdem muss sie in klarer, einfacher Sprache verfasst werden. Wer Patienten auch an Termine erinnern will – etwa per Brief, Mail oder SMS – der sollte dies noch einmal getrennt von der Einwilligung zur normalen Verarbeitung der Daten in der Praxis-EDV aufführen.
  2. Zweckbindung der Daten: Die Praxis darf die beim Patienten erhobenen Daten, dazu zählen auch die Diagnosen, immer nur zum Zweck der Leistungserbringung und Abrechnung erheben. Wer bei privatversicherten Patienten die Abrechnung über einen externen Dienstleister laufen lässt, sollte sich hierfür beim Patienten eine getrennte Einwilligungserklärung einholen. Vorsicht ist bei der Weitergabe von Daten zu Studienzwecken geboten. Auf der sicheren Seite sind Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten nur dann, wenn sie den Patienten auch hierzu vorher um sein Einverständnis bitten. Allerdings bietet das deutsche Datenschutzrecht (Paragraf 27 DSAnpUG-EU) hier dank Öffnungsklausel in der EU-Verordnung für wissenschaftliche Zwecke etwas mehr Spielraum: In diesem Fall kann auf eine gesonderte bzw. erneute Einwilligung verzichtet werden, sofern die Interessen des Verantwortlichen für die Datenverarbeitung die Interessen der jeweils betroffenen Person an seinem Ausschluss “erheblich überwiegen”. Damit scheint der Gesetzgeber vor allem die künftigen Möglichkeiten von Big-Data-Anwendungen im Hinterkopf gehabt zu haben. Diese würden mit einer allzu scharfen Einwilligungspflicht nämlich bereits im Keim erstickt. Besonderes: Vorsicht ist für Ärzte auch beim Datenaustausch in Therapeutennetzen oder Kooperationen geboten: Auch hier sollte vor jeglicher Datenweitergabe der Patient explizit zustimmen.
  3. Das Recht auf Löschen: Hauptsächlich getrieben durch die Entwicklungen im Internet und in den Sozialen Medien mit schnellen Unwahrheitsbehauptungen per Knopfdruck, wurde in der EU-Verordnung das Recht von Privatpersonen auf ein Löschen ihrer Daten gestärkt. Für Therapeutinnen und Therapeuten ist dies insofern relevant, dass sie vor allem bei einer Datenverknüpfung mit anderen Stellen – etwa in Kooperationen oder wenn sie Praxisdaten in gesicherten Clouds ablegen, schauen müssen, wann und welche Daten evtl. zu löschen sind, wenn ein Patient dies wünscht. Nicht davon betroffen sind allerdings Daten, die Therapeuten zum Nachweis der Leistungserbringung oder aus Haftpflichtgründen aufbewahren müssen. Diese Datensicherung darf dann allerdings nur begrenzt und in bestimmten Fällen zugänglich sein.
  4. Portabilität der Daten: Hier werden die Praxis-EDV-Anbieter gefragt sein, geeignete Formate zur Verfügung zu stellen, auch eine Telematikinfrastruktur könnte hier künftig ihren Beitrag leisten. Denn die Patienten haben nach Paragraf 20 der EU-DSGVO das Recht, die sie betreffenden Daten, “in einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format zu erhalten” und diese Daten ohne Medienbrüche an Dritte zu übermitteln. Damit machen sich EU-Parlament und -Rat – sicherlich unwissend – auch für die elektronische Patientenakte stark.

Wie ist es mit den Datensicherungen in der Praxis?

Unbedingt prüfen solltest deine Datensicherungseinstellungen. Denn künftig bist du verpflichtet, Verletzungen des Schutzes personenbezogener Daten – wie sie etwa bei Phishing-Attacken vorkommen können – innerhalb von 72 Stunden nach Bekanntwerden an die Bundesdatenschutzbeauftragte zu melden. Dies gilt nur dann nicht, wenn voraussichtlich keine Gefahr von Rechtsgütern der betroffenen Personen besteht. Die vom Schutz-Leck betroffenen Patienten müssen übrigens, wenn sich aus einem Datenklau Nachteile für sie ergeben könnten, ebenfalls informiert werden.

Das heißt, es sollten die technisch gängigen Vorkehrungen zum Schutz von Praxisdaten erfüllt werden: Also Firewall, aktuelle Version des Betriebssystems und Virenscanner.

Wo möglich, sieht die EU-Verordnung auch eine Anonymisierung oder zumindest Pseudonymisierung von Daten vor – dies sollten Praxen vor allem beim elektronischen Austausch von Patientendaten mit anderen Leistungserbringern beherzigen. Der elektronische Arztbrief über einen Kommunikationsdienst wie KV-Connect etwa (wie in Ärzte nutzen) ist wesentlich sicherer als eine ungeschützte E-Mail oder gar ein Fax.

Als Sanktionen bei Datenschutz-Verstößen drohen nach der EU-Verordnung Unternehmen, zu denen Praxen zu zählen sind, Geldbußen in Höhe von bis zu vier Prozent des gesamten Jahresumsatzes des vorangegangen Geschäftsjahres.

Weiterführende Informationen zur Datenschutzgrundverordnung für Logopädinnen/ Logopäden, Ergotherapeutinnen/ Ergotherapeuten und Physiotherapeutinnen/ Physiotherapeuten

Hier die Quellen und zahlreiche weiterführende Hinweise. Dort kannst du beispielsweise nützliche Vordrucke herunterladen:

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