Immer wieder erzählen Kinder, oder auch die Eltern der Kinder oder Lehrer*innen, dass es in der Schule zu Schwierigkeiten kommt. Ob Beleidigungen, physische Angriffe oder das wegnehmen von Sachen. Die Eltern sind verunsichert und die Kinder wissen mit den Angriffen nicht umzugehen.
Bei vielen Kindern, die von Mobbing betroffen sind, ist klar, dass es ein Problem im Selbstvertrauen gibt. Sie ziehen sich immer mehr zurück, beteiligen sich nicht mehr am Unterricht und trauen sich nicht sich zu melden. Teilweise entstehen Ängste vor der Schule.
Da Mobbing fast immer Auswirkungen auf das Selbstvertrauen- und somit auf die Selbstwirksamkeit des betroffenen haben ist es Aufgabe der Ergotherapie Kinder so weit zu stärken, dass Attacken nicht mehr wirksam sind. Zudem ist es wichtig, die Kinder darin zu bestärken sich wieder am Unterricht beteiligen zu können, ohne Angst vor etwaigen Angriffen oder diffamiert zu werden. Ebenso kann Ergotherapie das Umfeld beraten und umstrukturieren, um Kinder vor dauerhaften Diffamierungen zu schützen.

Qualitätsmerkmale von Mobbing

Die Definition von Mobbing ist nicht ganz klar. Je nach Quelle unterscheidet diese sich stark. Häufig wird in diesem Zusammenhang den Begriff Aggressivität verwiesen, was allerdings auch verschieden interpretiert werden kann. So verstand Selg (1974) Aggression als gerichtete Verhaltensweise, die zur Schädigung eines Organismus, oder eines Organismusurrogats führt. Schule-Markwort (1994, S.16) weist auf den lateinischen Wortstamm „aggredere“ hin. Dies bedeutet:

Herangehen sich zu begeben, sich an jemanden wenden, ihn angehen

Zu gewinnen suchen

  • Zu bestechen suchen
  • Angreifen
  • Unternehmen, beginnen, versuchen, an etwas (Werk) gehen

Aggressionen behalten demnach auch den Aspekt des Zupackens, Herangehens an etwas. Jedoch ist dieser Aspekt auch in der kindlichen Entwicklung wichtig, um sich an neues heranzuwagen, sich die Umwelt anzueignen oder sich von alten Sachen lösen zu können.

Mobbing ist Immer eine Form der Aggression. Jedoch ist nicht jede Aggression Mobbing.

Wirksame Kriterien für Mobbing:

  • Zielgerichtete Aggression gegenüber einer Person (direkt, indirekt, psychisch oder physisch)
  • Mobbingopfer und Täter*innen sind feste Personen
  • Der Zeitraum ist (relativ) langfristig, besteht mindestens ein halbes Jahr

Auswirkungen von Mobbing

Mobbing verläuft häufig in einem Kreislauf. So gibt es den Täter, das Opfer und evtl. noch Mitläufer, Zuschauer, …

Ein Täter wirkt durch zielgerichtete Aktionen auf das Opfer ein, das Opfer reagiert, was den Täter wiederum in seinem Handeln bestärkt weiterzumachen. Häufig reagieren Opfer ängstlich, aggressiv oder verunsichert.

Erfolgt keine Reaktion des Opfers erzielt der Täter keinen Erfolg und es kommt nicht zu Mobbingproblematiken.

Doch wie wirkt sich Mobbing nun auf betroffene, Täter oder gar die gesamte Gruppengemeinschaft (z.B. Schulklasse aus)?

Betroffene von Mobbing können Ängste entwickeln (Schulangst, Schulunlust, Soziale Ängste), ebenso kann es zu körperlichen Beschwerden, wie Kopfschmerz, Bauchschmerz oder Schlafproblematiken kommen. Ein Leistungsabfall ist häufig bemerkbar und das Selbstvertrauen- sowie Selbstwertgefühl und damit auch die Selbstwirksamkeit verringert sich bei permanenten Angriffen. Je nach Persönlichkeit und Intensität der Angriffe kann es zu Depressionen, Suchtverhalten (Alkohol und andere Suchtmittel) kommen. Im Schlimmsten Fall entstehen Suizidgedanken bis einen vollzogenen Suizid.

Das Profil von Täter*innen ist zumeist auch eine unsichere Persönlichkeit. Ein Mobbingopfer nimmt häufig die erste Gelegenheit an selbst zum Täter zu werden, um sich zu schützen.

So haben Mobbingtäter in vielen Fällen ähnliche Profile / Auswirkungen, wie Opfer mit Zusatz von Aggressiv-Dissozialen Verhaltensweise und einer häufigen Ablehnung von Gleichaltrigen.

Bei umfangreicheren Mobbingthematiken wirken sich die Angriffe nicht selten auf eine gesamte Klasse- oder Gruppe aus. So entstehen häufig zerstrittene Lager.

Dadurch resultiert ein Vertrauensverlust gegenüber Lehrkräften und der Peer-Group. Ebenso ist häufig ein Leistungsabfall der gesamten Klasse bedingt durch ein negatives Gruppenklima beobachtbar. Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Zivilcourage und Empathie können durch ständige Unsicherheiten auf allen Seiten nur schwer erlernt werden.

Wie erkenne ich Mobbing?

Mobbing als außenstehender zu erkennen ist nicht immer leicht. Die betroffene Gruppe traut sich nicht immer, sich gegenüber erwachsenen zu outen. Dies erfordert nicht nur viel Mut, sondern auch ein sicheres Vertrauensverhältnis gegenüber Lehrern, Eltern, Therapeuten oder anderen.

Da Angriffe teilweise versteckt und ohne Beisein der Lehrkräfte stattfinden ist auch dies nicht immer direkt erkennbar. Die Auswirkungen lassen sich aber beobachten und sollten bei Verdacht auf Mobbingproblematiken mit den verantwortlichen Lehrkräften besprochen werden. Insbesondere, wenn sich die Kinder an Vertrauenspersonen wenden, sollte man dies ernstnehmen und sich die Situation genau schildern lassen.

Ebenso gibt es versch. Fragebögen, die Schüler*innen ausfüllen können. Entweder direkt auf Mobbingthematiken (Smob-Fragebogen, Beobachtungsprotokolle, Mobbing-Umfrage aus Das Anti-Mobbing-Buch (Beltz-Verlag))

Ebenso gibt es Fragebögen, die Schulängste, sowie die sozialen Stärken und Schwächen von Schülern abfragen (AFS, ALS, SDQ-DEU Fragebogen „Belastende Situationen in der Schule“).

Interventionsmöglichkeiten

Wichtig in der Arbeit mit Kindern ist es zwischen Präventions- und Interventionsangeboten zu unterscheiden. Präventiv sollten Kinder ein sicheres Selbstwertgefühl aufbauen und gehört / ernstgenommen werden, damit die Thematik gar nicht erst entsteht. Zudem kann vorab ein Vertrauenslehrer benannt werden und das Gruppengefühl von Anfang an dahingehend bestärkt werden, dass jeder Schüler so sein darf, wie er ist.

In der Intervention geht es um die Arbeit mit akuten Mobbing-Problematiken. Hierzu kann therapeutisch ein Ziel sein das Selbstvertrauen zu stärken, die Selbstwirksamkeit zu erhöhen und die Interaktionsfähigkeit so weit zu steigern, dass alle Kinder gerne zur Schule gehen und die Chance haben ungestört am Unterricht teilzunehmen. 

Da die betroffenen, aber auch die Täter*innen häufig Schwierigkeiten im Umgang mit dem Selbstvertrauen entwickeln oder haben kann dies ein Ziel für die Therapie sein. Ebenso sind der Leistungsabfall, Konzentrationsschwierigkeiten, Selbstvertrauen, oder andere Auffälligen z.B. das sich ein Kind nicht mehr im Unterricht meldet häufig ein Anliegen der Klienten oder dessen Umfeldes innerhalb der Ergotherapie.

Welche Klienten kommen in die Praxis?

In der Praxis vertreten sind häufig beide Seiten. So kommen Mobbingopfer, als auch Täter in die Praxis mit individuellen Anliegen. Dennoch ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, das auch Mobbing Ursache oder Verstärker für die Kernproblematik und das bestehende Anliegen der Klient*innen sein kann.

Eine Hospitation in der Schule, ein Gespräch mit Lehrer*innen und die Einbeziehung der Eltern kann helfen Aufschluss über die Situation und die logischen therapeutischen Schritte zu geben.

Innerhalb der Schulen gibt es versch. Modelle, die von außenstehenden, aber auch von Lehrkräften durchgeführt werden können. 

Eine Aufgabe der Ergotherapie kann es sein Schüler, Eltern und Lehrkräfte zu beraten. Häufig ist es sinnvoll ein Mobbingtagebuch zu führen, indem der betroffene die Angriffe dokumentiert. Damit hat man zum einen Beweis, den Schulen häufig ernstnehmen, wenn viele Einträge vorhanden sind, zum anderen haben Kinder eine Möglichkeit, sich das Erlebnisse „von der Seele zu schreiben“. Ebenso können Verteidigungsstrategien entwickelt werden. 

Häufig sind genau die Kinder betroffen, die sowieso schon einen Therapiebedarf haben, da diese Kinder eine ohnehin oft geschwächte Selbstwahrnehmung haben.


Über den memole Gastautor

Levi Hackbarth hat 2016 den www.lh-coaching.net

Artikel zum Thema „Urlaub“ – 2. Teil

In meinem ersten Beitrag vom konnte ich bereits einige Fragen rund um das Thema „Urlaub“ beantworten. In diesem Beitrag möchte ich unter anderem darauf eingehen, welche Regeln bei Schwangerschaft, Mutterschutz oder Elternzeit bestehen und wie mit Resturlaubsanspruch umgegangen wird, wenn das Arbeitsverhältnis endet.

Gastautorin Rechtsanwältin Nadine Seidel ist erfahrene Expertin für das Thema Urlaubsrecht für Therapeuten aus Berlin.

1. Haben Schwangerschaft und Mutterschutz Einfluss auf den Urlaubsanspruch?

Der Urlaubsanspruch wird durch Zeiten der Schwangerschaft oder des Mutterschutzes nicht berührt. Das bedeutet, dass deinen Mitarbeiterinnen auch für diese Zeiträume Urlaubsansprüche entstehen.

Die Urlaubsansprüche verfallen aber nicht – wie sonst üblich – am Ende des jeweiligen Kalenderjahres. Nach Ende des Mutterschutzes können deine Mitarbeiterinnen gemäß § 24 Mutterschutzgesetz (MuSchG) ihre vor und während des Mutterschutzes entstandenen Urlaubsansprüche entweder im laufenden oder nächsten Kalenderjahr in Anspruch nehmen. Besonderheiten ergeben sich, wenn sich an den Mutterschutz die Elternzeit anschließt.

 

Fallbeispiele

Deine Mitarbeiterin hatte vor Beginn des Mutterschutzes noch 5 Urlaubstage. Der Mutterschutz beginnt am 22. Juli 2019. Ihr Kind kommt am 9. September 2019 zur Welt. Endete der Mutterschutz nach acht Wochen am 4. November 2019, muss deine Mitarbeiterin ab dem 5. November 2019 wieder arbeiten Der vor und während des Mutterschutzes entstandene Urlaub kann dann noch in der Zeit vom 5. November 2019 bis zum 31. Dezember 2020 beansprucht werden.
Nimmt deine Mitarbeiterin im vorstehenden Fallbeispiel Elternzeit in der Zeit vom 9. September 2019 bis einschließlich zum 8. September 2020, kann sie die vor und während des Mutterschutzes entstandenen Urlaubsansprüche in der Zeit vom 9. September 2020 bis zum 31. Dezember 2021 in Anspruch nehmen.

2. Entsteht auch während der Elternzeit ein Urlaubsanspruch?

Auch während der Elternzeit entsteht deinen Mitarbeiterinnen ein Urlaubsanspruch. Das bedeutet, dass deine Mitarbeiterinnen für diese Zeit Urlaubstage ansammeln und nach dem Ende der Elternzeit im laufenden oder folgenden Kalenderjahr in Anspruch nehmen können.

Der Arbeitgeber ist aber gemäß § 17 Abs. 1 Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit (BEEG) berechtigt, den Urlaubsanspruch für jeden vollen Kalendermonat der Elternzeit in Vollzeit um ein Zwölftel des Jahresurlaubsanspruchs zu kürzen.

 

Fallbeispiele

Deine Mitarbeiterin hat einen jährlichen Urlaubsanspruch von 24 Tagen. In der Zeit vom 1. November 2019 bis zum 31. August 2020 (10 Monate) nimmt sie Elternzeit. Für diesen Zeitraum entsteht ihr grundsätzlich ein Urlaubsanspruch von 20 Tagen, der aber vom Arbeitgeber vollständig gekürzt werden kann.
Besteht die Elternzeit vom 5. November 2019 bis zum 4. August 2020, kann der Urlaub nur für die Monate Dezember 2019 bis Juli 2019 gekürzt werden. Für die Monate November 2019 und August 2020 gibt es keine Kürzungsmöglichkeit, weil in diesen Monaten die Elternzeit nicht für den vollen Monat besteht.

Um den Urlaubsanspruch wirksam kürzen zu können, musst du dies deinen Mitarbeiterinnen (vorsorglich schriftlich) mitteilen. Die Erklärung kann vor, während oder auch nach der Elternzeit erfolgen. Wird das Arbeitsverhältnis direkt im Anschluss an die Elternzeit beendet und erfolgt keine Erklärung zur Kürzung des während der Elternzeit entstandenen Urlaubsanspruchs, steht deinen Mitarbeiterinnen ggf. ein Anspruch auf finanzielle Abgeltung der Urlaubstage zu.

 

3. Kannst du die Urlaubsansprüche auch während der Elternzeit in Teilzeit kürzen?

Arbeiten deine Mitarbeiterinnen während der Elternzeit in Teilzeit, können die in dieser Zeit entstandenen Urlaubsansprüche nicht gekürzt werden. Wie viele Urlaubstage in der Elternteilzeit tatsächlich entstehen, richtet sich danach, an wie vielen Tagen pro Woche deine Mitarbeiterinnen arbeiten (vgl. Ausführungen in meinem Beitrag unter Punkt 1).

4. Was passiert mit dem Urlaubsanspruch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses?

Wieviel Resturlaub deine Mitarbeiterinnen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses noch haben, hängt zunächst davon ab, zu welchem Zeitpunkt im Jahr das Arbeitsverhältnis endet.

Endet das Arbeitsverhältnis vor dem bzw. mit Ablauf des 30. Juni, entsteht der Urlaubsanspruch für das Kalenderjahr nur anteilig bis zum Beendigungstag.
Dagegen haben deine Mitarbeiterinnen Anspruch auf den vollen Jahresurlaub, wenn das Arbeitsverhältnis zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember endet.

Kann der Resturlaub aus dringenden betrieblichen Gründen oder wegen vorrangiger (z. B. weil schon genehmigter) Urlaubswünsche anderer Mitarbeiterinnen vor der Beendigung nicht gewährt werden, ist er auszuzahlen. Für die Berechnung der Urlaubsabgeltung kannst du für eine Mitarbeiterin mit einer 5-Tage-Woche folgende Berechnungsformel anwenden:

Urlaubsabgeltung = Bruttogehalt für 13 Wochen / 65 Arbeitstage x Resturlaubstage

Das Bruttogehalt für 13 Wochen entspricht dem Gehalt für ein Quartal, insgesamt also drei Bruttomonatsgehälter. Arbeitet deine Mitarbeiterin in einer 6-Tage-Woche oder an weniger als 5 Tagen in der Woche, ist die Berechnungsformel hinsichtlich der Anzahl der Arbeitstage wie folgt anzupassen:

  • 6-Tage-Woche: Quartalsgehalt / 78 Arbeitstage x Resturlaubstage,
  • 4-Tage-Woche: Quartalsgehalt / 52 Arbeitstage x Resturlaubstage,
  • 3-Tage-Woche: Quartalsgehalt / 39 Arbeitstage x Resturlaubstage,
  • 2-Tage-Woche: Quartalsgehalt / 26 Arbeitstage x Resturlaubstage.

 

Fallbeispiele

Deine Mitarbeiterin erhält für ihre Tätigkeit in einer 5-Tage-Woche ein Bruttomonatsgehalt in Höhe von 3.300 € und sie hat bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses noch 13 Urlaubstage. Die Urlaubsabgeltung beträgt:

(3 x 3.300 €) / 65 Arbeitstage x 13 = 1.979,99 €

Im Gegensatz zum vorigen Fallbeispiel arbeitet deine Mitarbeiterin in einer 4-Tage-Woche. Die Urlaubsabgeltung wird dann wie folgt berechnet:

(3 x 3.300 €) / 52 Arbeitstage x 13 = 2.474,99 €

 

 

Gastautorin bei memole ist Rechtsanwältin Nadine Seidel, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Berlin. Du erreichst sie:

Frau Nadine Seidel
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Steinkühler – Kanzlei für Arbeits- und Gesellschaftsrecht
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